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Landtagswahl In Niedersachsen Elke Twesten bei CDU-Basis unten durch

Gunars Reichenbachs Lars Laue Büro Hannover

Hannover - Das Zittern um die Mehrheit im niedersächsischen Landtag treibt die Anhänger der Parteien um – und quer durch die Landeshauptstadt. Wer sich ein Stimmungsbild machen möchte, muss verschiedene Wahlpartys im Stadtgebiet ansteuern, weil die Sitzverteilung im Landtag hin und her schwankt. Regelrecht fertig mit den Nerven sind viele Parteianhänger nach diesem Wahlkrimi am Sonntagabend.

Die CDU

Plötzlich erscheint Elke Twesten auf der Großbildleinwand im Restaurant Cavallo. Sie war es, die durch ihren Übertritt von den Grünen zur CDU die rot-grüne Regierung zu Fall brachte. „Oh nein, nicht sie“, kommentieren junge CDU-Wähler stöhnend das Konterfei der Übergetretenen. Bei der Basis ist Twesten nach der CDU-Wahlschlappe unten durch: „Ganz ehrlich, diese vorgezogene Landtagswahl hat uns überhaupt nichts gebracht.“

Twesten sieht es ganz anders. Ob ihr Parteiwechsel am Ende der CDU geschadet habe, wird Twesten gefragt. Spitz antwortet sie: „Das ist Kaffeesatz-Leserei.“ Twesten ergreift die Flucht.Spitzenkandidat Bernd Althusmann stellt sich dagegen. Wenn auch mit reichlicher Zeitverzögerung. Wo Stephan Weil schon nach fünf Minuten die Bühne stürmt, lässt sich Althusmann über 20 Minuten Zeit. Junge Unionisten feiern den Spitzenkandidaten, der das schlechteste Wahlergebnis der CDU seit den 50er Jahren eingefahren hat. „Bernie, Bernnie“, skandieren die Nachwuchs-Unionisten im Stakkato. Beifall auch von den anderen Fraktions-Mitgliedern und Mitarbeitern.

Auffällig: Nicht alle Gesichter strahlen. Björn Thümler (Berne), bisher Fraktionschef, zeigt ein sparsames Lächeln. Kein Wunder. Mit den ersten Worten nimmt Althusmann ihm das Amt weg. „Ich bewerbe mich als Fraktionsvorsitzender“, greift der Wahlverlierer nach dem derzeit einzig wichtigen Amt für die nächsten Jahre.

Ansonsten sieht Althusmann keinen Grund, „in Sack und Asche zu gehen“, obwohl er die „politische Verantwortung“ für das Ergebnis übernimmt. Den Glückwünschen für die SPD schließt Althusmann noch den Wunsch an: „Niedersachsen braucht eine stabile Regierung.“

Auch Karl-Heinz Klare, noch amtierender Landtagsvizepräsident (CDU), hört diese Worte und den Jubel im CDU-Fraktionssaal. „Kann mir jemand sagen, warum dort so laut geklatscht wird“, fragt der altgediente Christdemokrat. Um hinterherzuschieben: „Aber vielleicht bin ja nur ich im Rechnen schwach...“

Unter die Gäste der CDU-Wahlparty im Cavallo hat sich auch Professor Eberhard Haunhorst gemischt. Er ist Präsident des Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit und will sich eigentlich nicht groß zu einer politischen Aussage hinreißen lassen. Dennoch: „Ich hätte mir ein besseres Ergebnis für die CDU gewünscht“, sagt er und spricht sich gegenüber dieser Zeitung klar für die Bildung einer Großen Koalition aus.

Frank Lüttig dagegen bevorzugt die Jamaika-Variante (CDU, FDP und Grüne). „Ganz klar“, sagt der Generalstaatsanwalt aus Celle, „mit einem Ministerpräsidenten Bernd Althusmann“. Landtagsabgeordneter Dirk Toepffer, Kandidat im Wahlkreis 24 (Hannover-Döhren), wirkt nach den ersten Hochrechnungen noch einigermaßen gefasst. „Ich hätte fast mit einem noch schlechteren Ergebnis gerechnet“, sagt Toepffer und kann dem Abend sogar noch etwa Positives abgewinnen: „Die Linke schafft aller Voraussicht nach den Einzug in den Landtag nicht, und die AfD ist relativ schwach. Der Abend ist also nicht ganz verloren.“

Die FDP

Im ersten Augenblick glaubt man, in der „Bar Celona“ bei einer Siegesfeier zu sein. Das Bier schäumt. Die Kellner laufen. Die Theke ist viel zu klein, deshalb müssen viele draußen stehen. Die FDP lässt sich einfach die gute Laune nicht verbieten vom Wähler. Zwar haben die Liberalen deutliche Verluste hinnehmen müssen, „aber die größten Verlierer sind die Grünen“, tröstet sich FDP-Generalsekretär Gero Hocker beim Gerstensaft. Mit Macht stemmen sich Hocker und FDP-Chef Stefan Birkner gegen den Verdacht, sie könnten eventuell für eine Ampel-Koalition zur Verfügung stehen. „Wir wackeln nicht“, sagt Hocker. „Dafür stehen wir nicht zur Verfügung“, sagt Birkner. „Zu 100 Prozent nicht!“, setzt Hocker auch für den Letzten hinzu, der daran Zweifel haben sollte.

Doch der Star des Abends sind nicht Hocker und Birkner, sondern der frühere Vize-Kanzler und ehemalige FDP-Bundeschef Philip Rösler. Küsschen, Händeschütteln, Selfies: „Hallo Philip.“ Der Liberale genießt es. Sein Kommentar zur Landtagswahl: „Ich bin zufrieden, wenn der Vorsitzende zufrieden ist.“ Klingt da etwa noch etwas nach? Wundern würde es nicht, nachdem er vor Jahren mit Schimpf und Schande aus der Parteispitze gejagt wurde.

Die AfD

Die AfD-Spitzenfrau Dana Guth bringt ihre Gefühle auf einen einfachen Punkt: „Die AfD hat mehr Zuwachs als alle anderen Parteien“, strahlt die Göttingerin. Dabei wäre zum Lachen eigentlich kein Anlass. Noch bevor die Wahllokale schließen, macht eine AfD-Truppe schon Front gegen den Landesvorsitzenden Armin Paul Hampel. Die Aufmüpfigen wollen Hampel wegputschen. Was interessiert da eigentlich noch das eigene Abschneiden? Die AfD zerreißt es, noch bevor ihre Abgeordneten in den Landtag eingezogen sind.

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