HANNOVER -
Redaktion Hannover
HANNOVER - Als um fünf vor Zwölf der Protesttag in Hannover beginnt, strömen noch Menschen aus allen Himmelsrichtungen zum Congress-Centrum. Mehr als 2000 Ärzte, Apotheker und Krankenschwestern versammeln sich in der Niedersachsen-Halle, um gegen die Gesundheitsreform der Bundesregierung Front zu machen.Wie gereizt die Stimmung ist, lässt sich schon an den mitgebrachten Plakaten erkennen. „Stoppt den Wahnsinn der Gesundheitsreform“, ist da zu lesen, und: „Politiker, ihr vertreibt die Ärzte“. Mit einem gellenden Pfeifkonzert reagieren, die Demonstranten auf die Mitteilung, dass alle geladenen Bundespolitiker aus Niedersachsen abgesagt haben. Die niedersächsische Gesundheitsministerin Mechthild Ross-Luttmann (CDU) lässt sich mit „zwingenden Terminen“ entschuldigen. Was denn wichtiger sein könne, will ein Demonstrant wissen. Er bekommt keine Antwort vom Podium. Die Ministerin schickt ihren Abteilungsleiter Thomas Sporn in die Höhle des Löwen. Dieser verscherzt sich alle Sympathien, als der die Ärzte auffordert, den Protest nicht auf dem Rücken der Patienten auszutragen.
Die Verbandsvertreter sprechen von einer „einmaligen Aktion“ und einer „ungewöhnlichen Form“ des Protestes. Erstmals ziehen Ärzte, Kliniken, Krankenkassen und Gewerkschaften gemeinsam gegen eine Reform ins Feld.
„Dieses Gesetz darf nicht verabschiedet werden“, ruft der Vizechef der Ärztekammer Niedersachsen, Gisbert Voigt, unter dem Jubel der Teilnehmer. „Wir bekommen eine Versorgung nach Kassenlage“, erklärt der Chef der Niedersächsischen Krankenhausgesellschaft, Michael Schwekendiek.
Die Landespolitiker, die anschließend zu einer Diskussion aufs Podium gerufen werden, haben es angesichts der aufgeheizten Stimmung nicht leicht. Das bekommt vor allem Heidemarie Mundlos von der CDU-Landtagsfraktion zu spüren, die versucht, die Reform zu verteidigen. Der SPD-Politiker Uwe Schwarz lässt dagegen für viele überraschend kein gutes Haar an den Berliner Plänen: „Diese Reform löst keine Probleme.“ FDP-Fraktionschef Philipp Rösler sichert sich die Sympathien der Demonstranten, als er FDP-Plakate gegen die Reform in die Höhe hält.
Die Ärzte im Congress-Centrum sind sich am Ende einig. Wenn die Regierung nicht einlenkt, werden die Proteste weitergehen.
