HANNOVER - Ob Mädchen-Fußball, Rugby, oder Theater – die Herschelschule in Hannover hat vieles zu bieten, was über den gewöhnlichen Unterricht hinausgeht.

Seit August 1993 ist das Gymnasium mit Musikzweig eine Ganztagsschule und gehört damit zu den ersten Einrichtungen, die für ihre Schüler auch am Nachmittag Unterricht und Freizeitaktivitäten anbieten. Wenngleich die sogenannten Lehrerstunden-Zuschläge für die Ganztagsschulen drastisch gesunken sind, sehen die Pädagogen und die Schüler viele Vorteile in dieser Schulform.

„Ich kann mich ganz auf die Schule konzentrieren, das ist ziemlich gut“, sagt Metehan Uzuncakmak. Der 17-Jährige fühlt sich sehr wohl auf dem Gymnasium, über zu viel Arbeit klagt er nicht. Im Gegenteil: „Das Engagement steigt, je älter man wird. Auch die Bereitschaft, anderen zu helfen“, sagt der Oberstufensprecher. Er unterstützt jüngere Schüler bei den Hausaufgaben, singt in der Chor-AG und hat viele Freunde am Gymnasium gefunden. Für sein Hobby Wasserball bleibt auch noch genügend Zeit, das Training kann er mit den Schulterminen gut vereinbaren. Nur mit Freunden, die auf eine andere Schule gehen, kann er sich lediglich am Wochenende treffen.

Doch nicht nur für Schüler, sondern auch für Lehrer bedeutet die Ganztagsschule eine große Umstellung. „Sie müssen sich an eine andere Tagesstruktur gewöhnen, man ist eben nicht immer schon um halb zwei daheim“, sagt Schulleiter Werner Heisterberg.

Von acht bis 16 Uhr werden die Gymnasiasten betreut. Dafür werde die Bindung an die Schule stärker und die Beziehung zu den Schülern intensiver. „Man begegnet sich auch in anderen Situationen, zum Beispiel beim Mittagessen oder am Nachmittag bei Freizeitaktivitäten“, berichtet Eva-Maria Kittel, Lehrerin und Koordinatorin für die Oberstufe. Der Gedankenaustausch unter den Pädagogen sei damit wesentlich intensiver.

Zwei Sozialpädagogen mit jeweils einer halben Stelle betreuen die Gymnasiasten beim Krökeln oder Ballspielen und sind auch Ansprechpartner bei Problemen. Dass das Gymnasium eine Ganztagsschule werden wollte, hatte einen guten Grund: „In unserem Einzugsbereich waren schon vor 15 Jahren oftmals beide Elternteile berufstätig und der Wunsch nach Betreuung der Kinder sehr groß“, sagt Kittel. So wurde zuerst eine Mensa eingerichtet und der Freizeitbereich neu gestaltet. Die Lehrerstundenzuschläge für Ganztagsschulen seien im Laufe der Jahre drastisch zurückgefahren worden, sagt der Schulleiter. „Wir stehen erheblich schlechter da als 1993“, betont er. Noch 1997 habe die Herschelschule für 590 Gymnasiasten 119 zusätzliche Wochenstunden bekommen. Für die rund 800 Schüler heute habe er nur 70 zusätzliche Lehrerwochenstunden erhalten. Nun solle auch noch die Oberstufe aus dem Konzept genommen werden, das bedeute finanzielle Einbußen.

An der Herschelschule zeigen Lehrer und Schüler aber trotz der Kürzungen Engagement: Sie richten eine Schulbibliothek ein. Dafür sind sie auf Spenden angewiesen. „Wir sammeln Geld, hoffen auf Sponsoren und spenden selbst Bücher“, sagt Schulleiter Heisterberg. Für Metehan und seine Mitschüler ist die Bibliothek eine wichtige Errungenschaft. Hier finden die Gymnasiasten Ruhe – und Informationen, um sich weiterzubilden.

Die Herschelschule unter

www.herschelschule.de