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NWZonline.de Nachrichten Politik Hintergrund

„Hinauf zum Schloss, Patrioten!“

25.05.2007

NEUSTADT /WEINSTRAßE Die Initiatoren griffen dabei die Ideale der Französischen Revolution auf. Die Folge waren Zensur und Druckverbote.

Von Marc Strehler

und Thomas Bücher

Ein zweistelliger Millionenbetrag aus öffentlichen Kassen für die Sanierung einer „Wiege“: Das klingt erst einmal nach einem Fall für den Rechnungshof. Bei einer „Wiege der deutschen Demokratie“ sieht das anders aus. Genau als solche gilt das Hambacher Schloss im rheinland-pfälzischen Neustadt an der Weinstraße. Hier demonstrierten vor 175 Jahren rund 30 000 Menschen für nationale Einheit, Freiheit und Bürgerrechte. An das legendäre „Hambacher Fest“ erinnert vom 25. Mai bis 28. Mai ein dreitägiges Bürgerfest auf dem Schlossberg. Die Sanierung des in die Jahre gekommenen Schlosses ruht dann für einige Zeit.

Als Meilenstein auf dem Weg zur Demokratie gilt das Hambacher Fest heute, für den Berliner Historiker Heinrich August Winkler war es ein „wichtiger Schritt auf dem langen Weg zu Einheit und Freiheit“.

Die Publizisten Philipp Jakob Siebenpfeiffer und Johann Georg August Wirth hatten im Mai 1832 zu der offiziell als Volksfest titulierten Massenkundgebung aufgerufen. Im Rückgriff auf die Ideale der Französischen Revolution formte sich im Anschluss an die Julirevolution 1830 in Paris ein bürgerliches Nationalbewusstsein. Um freiheitliche Bestrebungen zu unterbinden, schränkte damals die bayrische Obrigkeit – zuständig seit 1816 auch für die linksrheinische Pfalz – die Rechte der Bürger stark ein. Zensur und Druckverbote waren an der Tagesordnung.

„Hinauf, hinauf zum Schloss, Patrioten“, hieß das Motto. Treffender wäre der Ruf „Hinauf, hinauf zur Schlossruine“ gewesen: Das historische Gemäuer präsentierte sich zum Zeitpunkt des Hambacher Festes in einem wenig erfreulichen Zustand. Zwar wurde immer wieder an der Ruine herumgebaut, erst die 150. Wiederkehr des Festes brachte den Wiederaufbau von 1980 an richtig in Gang.

Bundespräsident Karl Carstens nannte damals bei seiner Rede zur 150-jährigen Jubiläumsfeier das Hambacher Fest im Mai 1832 einen Teil des Kampfes der Deutschen für die Freiheit. Und er erinnerte an die Bedeutung des Ereignisses: „Unser Land, Deutschland, hat es mit der demokratischen Freiheit schwer gehabt: Wir haben sie – im Vergleich zu den westlichen Demokratien – spät errungen.“

Nachdem die Besucherzahlen in den 80er Jahren im sanierten Schloss zunächst stiegen, ging es in den vergangenen Jahren wieder bergab. Erstiegen 1997 noch rund 135 000 Menschen den Schlossberg, kamen 2005 nur noch 75 000. Vom kommenden Herbst an lässt das Land die Anlage für rund zehn Millionen Euro umbauen. Die Arbeiten sollen insgesamt zwei Jahre dauern.

Ziel der Maßnahmen ist es, das idyllisch auf einem Hügel gelegene Schloss als Tagungsstätte attraktiver zu machen. Der Schweizer Architekt Max Dudler beschreibt seine Pläne mit dem Satz: „Wir müssen die Historie wahren, aber wir müssen dem Haus auch eine Zukunft geben.“ Für den rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten und SPD-Vorsitzenden Kurt Beck ist das Hambacher Schloss „ein Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung“.

Vor der entscheidenden Umbauphase ist noch einmal eine Expertenanhörung geplant: An der Wiege der deutschen Demokratie will sich die Landesregierung in Mainz nicht vorwerfen lassen, die Sanierungspläne gegen Widerstände in der Bevölkerung durchgedrückt zu haben.

www.hambacher-schloss.de

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