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NWZonline.de Nachrichten Politik Hintergrund

Trauma: Wann man Hilfe braucht und wie man helfen kann

18.10.2019

Halle/Ulm (dpa) - Der Schock nach dem rechtsextremen Terroranschlag von Halle sitzt tief.

Jörg Fegert, der Geschäftsführende Sprecher des Zentrums für Traumaforschung und Professor an der Uniklinik Ulm, erklärt, wie Menschen auf das Erlebte reagieren, woran die Opfer merken, dass sie Hilfe brauchen und wie Angehörige und Freunde helfen können:

Menschen sind unterschiedlich und auch die Verarbeitung ist unterschiedlich", sagt Fegert. "Das sind Ereignisse, die nach allen Klassifikationen potenziell traumatisierend sind, weil sie unsere Vorstellungskraft übersteigen.

Betroffene reagieren etwa mit Schlafstörungen oder Schweißausbrüchen also Übererregung oder mit Alpträumen und anderen Symptomen des Wiedererlebens. "Manche haben noch jahrelang Erinnerungen, die immer wieder hochkommen – sogenannte Flashback-Erinnerungen."

Viele Menschen versuchen auch, die Orte des Geschehens zu meiden und der Erinnerung daran auszuweichen, was manchmal auch eine Belastung sein kann, weil sie sich so im Alltag einschränken", sagt Fegert. Dies seien auch Symptome an denen Betroffene erkennen könnten, dass sie Hilfe brauchten. "Bei vielen Menschen beruhigt sich das aber auch innerhalb von zwei bis drei Wochen.

Für Freunde und Verwandte von Betroffenen sei wichtig, dass diese wissen, was geschehen ist und so den Opfern ersparten, das Geschehene einordnen zu müssen. Sie könnten vor allem auf eine Weise helfen: Zuhören. "Wir wissen, dass eine der effektivsten Wirkmethoden in der Traumatherapie das Verwörtern des Unsagbaren ist." Manchen Betroffenen helfe es auch Tagebuch zu führen.

Lobende Worte findet der Experte für Psychotherapie für die zahlreichen Gedenkveranstaltungen, die es seit der Bluttat in der Stadt geben hat. "Ich finde es sehr wichtig, dass man mit diesen Ritualen reagiert. Diese signalisierten Gemeinschaft und geben allen Halt. Dies helfe der Stadtgemeinschaft wieder zur Ruhe zu kommen.

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