• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Politik Hintergrund

Oscar des Abends geht an die Vielfalt

26.02.2019

Hollywood Die Chance lässt sich Spike Lee nicht nehmen. Der afro-amerikanische Regisseur hat mit seiner Politsatire „BlacKkKlansman“ gerade einen Oscar für das beste ­adaptierte Drehbuch gewonnen, nun setzt er zu einer kämpferischen Dankesrede an. „Vor der ganzen Welt erweise ich unseren Vorfahren, die dieses Land aufgebaut haben, meine Ehre“, sagt der 61-Jährige und erinnert an die Versklavung von Afrikanern und den „Völkermord an unseren Ureinwohnern“. Als er dann noch eine Spitze an die derzeitige US-Regierung hinterherschiebt, sind die vielen Galagäste im Dolby Theatre längst von ihren Stühlen aufgesprungen und applaudieren. „Die Präsidentschaftswahlen von 2020 sind nicht mehr weit weg“, ruft Lee entschlossen. Es sei eine moralische Wahl zwischen Liebe und Hass. „Lasst uns das Richtige tun!“

Es sollte der einzige Oscar für „BlacKkKlansman“ über den rassistischen Ku-Klux-Klan bleiben. Doch auch die anderen Gewinner des Abends zeigen, dass Minderheiten und deren Geschichten nun zumindest in Hollywood verstärkt Gehör finden. Dazu passt auch die wichtigste Auszeichnung für den besten Film, die an „Green Book – Eine besondere Freundschaft“ geht: In dem Drama von Peter Farrelly reist ein schwarzer Musiker mit einem weißen Chauffeur in den 60er Jahren in die US-Südstaaten. Der Afro-Amerikaner Mahershala Ali wird als bester Nebendarsteller geehrt, hinzu kommt die Trophäe für das beste Original-Drehbuch.

Der heimliche Gewinner der diesjährigen Oscarnacht war dann auch ein anderer: der Mexikaner Alfonso Cuarón mit seinem in Schwarz-Weiß gedrehten Drama „Roma“. Er schnappte nicht nur dem Deutschen Florian Henckel von Donnersmarck, der mit dem Künstlerdrama „Werk ohne Autor“ auf seinen zweiten Goldjungen gehofft hatte, den Auslands-Oscar weg – der erste dieser Kategorie für Mexiko. Der 57-jährige Cuarón nahm auch noch die Preise für die beste Regie und die beste Kamera entgegen und sorgte damit zugleich für einen der bisher größten Erfolge des Streaming-Anbieters Netflix, der das still erzählte und mit kunstvollen Bildern eingefangene Drama herausgebracht hatte.

Zuvor hatte Cuarón betont, der Film sei eine Hommage an seine früheren Kindermädchen. Seine Oscars widmete er nun den „70 Millionen Haushaltshilfen in der Welt ohne Arbeitserlaubnis. Es ist unser Job hinzuschauen, wo andere wegschauen, gerade in Zeiten, in denen man ermuntert werde, wegzugucken.“

Pointierte Reden wie diese blieben bei der 91. Oscargala die Ausnahme. Überhaupt wirkte die Show seltsam blass und zäh. Denn nachdem es im Vorfeld jede Menge Chaos um die Organisation gegeben hatte, fehlte zum ersten Mal seit 30 Jahren ein Moderator, der durch die Gala führte. Stattdessen sorgten die vielen, vielen Präsentatoren für ein ständiges Kommen und Gehen, immer neue Gesichter erschienen auf der Bühne, während zugleich wirkliche Highlights fehlten – aus früheren Oscarverleihungen sind hingegen ein Gruppen-Selfie zahlreicher Stars oder der zur Gala bestellte und völlig verdutzte Pizza-Lieferant noch lebendig in Erinnerung.

Dieses Mal wurden die einzelnen Kategorien und Gewinner hingegen fast nahtlos hintereinanderweg verkündet, sodass die Show leblos wirkte und manche Zuschauer sicher nicht nur aus Müdigkeit gähnten. Ob eine Oscar-Show ohne Moderator, ohne Einspiel-Filmchen und mit wenigen bissigen Kommentaren das richtige Mittel gegen die sinkenden Einschaltquoten ist, bleibt fraglich.

Kurz vor dem Ende der Gala sorgte dann aber noch die Britin Olivia Colman für die emotionalsten Momente des Abends. Die 45-Jährige wurde für ihre herausragende Darstellung von Queen Anne in „The Favourite – Intrigen und Irrsinn“ als beste Schauspielerin geehrt und kam sichtlich gerührt auf die Bühne. „Das ist Wahnsinn“, stammelte sie unter Tränen. „Ich habe einen Oscar!“ Als sie früher als Putzfrau gearbeitet habe, habe sie oft von genau dieser Situation geträumt.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.