ILLINOIS - ILLINOIS - Meist muss eben immer erst etwas passieren, bis die Menschen wach werden. Als in diesen Tagen vor 50 Jahren, genau am 27. Juni 1955, das Parlament des US-Bundesstaates Illinois das erste Gesetz verabschiedete, das den Einbau und die Benutzung von Sicherheitsgurten in Autos vorschrieb, da wurde dies von der Öffentlichkeit allenfalls am Rande bemerkt.
Doch wenige Wochen später beeilten sich die Parlamente, zunächst in den USA, ein solches Gesetz ebenfalls auf die Reihe zu bekommen. Der Grund: Am 30. September 1955 starb der aufstrebende Weltstar James Dean bei Salinas in Kalifornien in den Trümmern seines Porsche 550 Spyder. Ob er mit Sicherheitsgurten überlebt hätte, wurde damals heiß diskutiert.
Warum überhaupt fast 70 Jahre zwischen der Erfindung des Automobils und der Einführung von Sicherheitsgurten lagen, ist nur schwer nachzuvollziehen. Selbst die Passagiere in den Postkutschen des Wilden Westens schnallten sich an, wenn sie einmal wieder in heilloser Flucht vor Indianern oder Banditen waren.
In den 30er Jahren gab es amerikanische Ärzte, die sich in ihre Privatautos Gurte einbauen ließen. Auch einige Autorennfahrer legten die Gurte an. Der erste Automobilhersteller, der serienmäßig Sicherheitsgurte in seinen Autos anbot, waren die Schweden der Firma Volvo, die zuvor umfangreiche Tests vorgenommen hatten. 1955 kündigte auch Ford ein „Sicherheitspaket“ an, das neben Sonnenblenden auch Sicherheitsgurte vorsah.
Aber wieder war es ein Schwede, der einen neuen Meilenstein in der Geschichte des Sicherheitsgurts entwickelte. Nils Bohlin (1920 bis 2002) hieß der Mann, der Ingenieur bei Volvo war. Er entwarf 1958 den ersten Drei-Punkt-Gurt und damit eine Technik, die heute noch angewandt wird. Volvo bot auch schon Ende der 50er Jahre Zwei-Punkt-Gurte für den Rücksitz an.
1963 führte Volvo den Sicherheitsgurt für alle auf dem US-Markt angebotenen Modelle ein und sorgte so mit dafür, dass in den USA, aber auch in Australien, die einzelnen Parlamente der Bundesstaaten und schließlich auch der Kongress Gurte für neu gebaute Autos vorschrieben.
Natürlich war die Technik noch nicht voll ausgereift in jenen Tagen. So dauerte es einige Zeit, bis zum Beispiel Kopfstützen als Teil des Auto-Sicherheitspakets als unverzichtbar angesehen wurden.
Inzwischen gibt es kaum noch jemanden, der bezweifelt, dass Sicherheitsgurte Leben retten. Jedenfalls schnallen sich, so neueste statistische Erhebungen, immerhin 90 Prozent aller Autofahrer auf den Vordersitzen an, auf den Rücksitzen sind es allerdings nur 40 Prozent.
