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NWZonline.de Nachrichten Politik Hintergrund

Als Napoleon über den Nordwesten herrschte

14.08.2019

Im Nordwesten Napoleons Machtstreben machte auch vor dem Nordwesten nicht halt. Drei Jahre lang – von Januar 1811 bis November 1813 – war das gesamte Gebiet westlich von Hamburg von Frankreich annektiert.

Fast nichts erinnert heute noch an diese kurze Periode napoleonischer Herrschaft. Und auch die umfangreichen Unterlagen aus dieser Zeit, die sich im Oldenburger Landesarchiv stapeln, sind „zum großen Teil noch nicht ausgewertet“, sagt der frühere Archivdirektor, Gerd Steinwascher.

Dabei würde es sich durchaus lohnen, sich mit dieser kurzen Zeitspanne intensiver zu befassen. Denn die Einführung des modernen französischen Rechts- und Verwaltungssystems hatte in der rückständigen Region bedeutende Veränderungen zur Folge. Quasi über Nacht wurden „die Standesgrenzen weggewischt und die Leibeigenschaft abgeschafft“, erklärt Steinwascher. Konnte bis dahin der Bürgermeister zugleich Richter sein, waren Justiz und Verwaltung nun strikt getrennt. Der „Code civil“, das französische Gesetzbuch für Zivilrecht, das in großen Teilen noch heute in Frankreich Gültigkeit besitzt, regelte das Zusammenleben und gab dem Einzelnen völlig neue Freiheiten.

Und auch in der Verwaltung wehte ein neuer Wind. In den neu geschaffenen „Hanseatischen Departments“ galt plötzlich eine einheitliche Kommunalverfassung, und es gab jede Menge statistischer Auswertungen. Insgesamt, so Steinwascher, sei in diesen Jahren viel mehr schriftlich festgehalten worden. Und es wurde gebaut. Aus militärischen Gründen legten die Franzosen auch im Nordwesten Chausseen an.

Doch habe es auch eine „Kehrseite“ gegeben, so der Historiker. Der Russlandfeldzug Napoleons und die Kontinentalsperre, eine Wirtschaftsblockade gegenüber dem Vereinigten Königreich, belasteten die Bevölkerung im Nordwesten erheblich. Viele junge Männer wurden in die französische Armee gezwungen, und auch finanziell litt die Region enorm unter dem Krieg. Vor allem in den Hafenstädten an Weser und Ems, die am stärksten unter der Blockade litten, sei der Widerstand gegen die französische Herrschaft früh gewachsen.

Trotzdem seien nicht alle Bürger begeistert gewesen, als Herzog Peter Friedrich Ludwig am 27. November 1813 begleitet von russischen Truppen nach Oldenburg zurückkehrte, sagt Steinwascher. Zum einen seien die Kosaken in der Bevölkerung nicht beliebt gewesen, zum anderen sei beispielsweise Jever nicht damit einverstanden gewesen, zu Oldenburg geschlagen zu werden.

Von den französischen Reformen blieb nach der Rückkehr des Herzogs allerdings fast nichts übrig. Der „Code civil“ beispielsweise, der in einigen Regionen Süddeutschlands noch lange galt, wurde nach Darstellung von Steinwascher im Nordwesten bereits nach einem Jahr wieder vom Herzog verworfen. Was blieb, war unter anderem die Gewerbefreiheit. Und in den folgenden Jahren wurden viele der althergebrachten Verfahrensweisen geändert.

Für Frankreich war die Besetzung des Nordwestens letztlich eine kostspielige Angelegenheit. Nach der Niederlage Napoleons wurde der Staat verpflichtet, viele Millionen Franc als Entschädigung an die Städte zu zahlen.

Jörg Jung Redakteur / Regionalredaktion
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