Die Zahl der Corona-Infektionen in Deutschland ist auf einem Höchststand. Wie ist die aktuelle Entwicklung an den Schulen?
TepeEs gibt keine genauen Zahlen. Die Situation an den Schulen spitzt sich zu. Immer mehr Schüler und Lehrer sind in Quarantäne. Es müssen auch immer mehr Schulen schließen. Wir müssen die Gesundheit von Lehrern, Schülern und deren Eltern schützen. Die Empfehlungen des Robert Koch-Instituts für die Schulen sollten unbedingt eingehalten werden. Das gilt für den Abstand, den Mund-Nasen-Schutz und die Hygiene, aber auch für den Übergang in den Wechselunterricht bei mehr als 50 Corona-Infektionen pro 100 000 Einwohner in sieben Tagen.
Auch nach den Empfehlungen des Robert Koch-Instituts und den aktuellen Infektionsraten müsste man längst zu einem Wechselbetrieb zwischen Präsenz in den Schulen und Home-Schooling übergehen…
TepeWir sind keine Virologen und müssen uns auf die Empfehlungen des Robert Koch-Instituts verlassen. Natürlich sollte so viel Präsenzunterricht wie möglich stattfinden. Wechselunterricht ist eine Möglichkeit, um vollständige Schulschließungen zu verhindern. Damit würde das Infektionsrisiko deutlich reduziert. Der Vorteil des Wechselunterrichts ist, dass der Kontakt zu den Schülern nicht verloren geht.
Erste Bundesländer wollen bereits die Weihnachtsferien verlängern. Wäre das ein sinnvoller Schritt?
TepeDas würde nicht viel bringen. Sinnvoller ist die Einführung des Wechselunterrichts – also abwechselnd zu Hause und in der Schule zu lernen. Es wären dann weniger Schüler in den Klassenräumen und auf den Schulhöfen, sodass es möglich ist, größere Abstände zu halten. Es werden zurzeit nicht einmal überall die Sitznachbarn infizierter Schüler in Quarantäne geschickt. Das ist unverantwortlich. Der Präsenzunterricht ist sehr wichtig, aber nicht um jeden Preis.
Beim Corona-Gipfel von Bund und Ländern am Montag soll auch das Thema Schule auf der Tagesordnung stehen. Was erwarten Sie von den Beratungen?
TepeGut, dass das Thema auf die Tagesordnung kommt. Die Kanzlerin hat bisher nicht bei uns nachgefragt, wie es an den Schulen aussieht. Die Risikolage an den Schulen muss neu eingeschätzt und darauf entsprechend reagiert werden.
Ich erwarte, dass es eine Entscheidung für den Wechselunterricht gibt. Die Länder haben für dieses Szenario aber immer noch keine ausreichenden Vorbereitungen getroffen. Beispielsweise haben die Schulen nicht von allen Schülern und Eltern E-Mail-Adressen und Telefonnummern. Das ist auch eine Frage des Datenschutzes. Die Eltern müssen diese Informationen nicht herausgeben, und einige tun das auch nicht. Man hätte seit den Sommerferien alle Vorbereitungen für den Wechselunterricht treffen müssen. Es fehlt auch noch immer an der digitalen Ausstattung. Da gibt es zu wenig Tablets und Laptops. Von PC-Fachleuten und einer funktionstüchtigen digitalen Infrastruktur ganz zu schweigen.
