ISLAMABAD - Kein Land legte nach den Anschlägen vom 11. September 2001 eine rasantere Kehrtwende hin als Pakistan. Eben noch hatte das Land die Taliban-Regierung im benachbarten Afghanistan unterstützt. Dann stellte sich der damalige pakistanische Militärmachthaber Pervez Musharraf an die Seite der USA. Doch Pakistan gilt im Kampf gegen den Terrorismus als der wohl unzuverlässigste Partner dem immer wieder nachgesagt wird, ein doppeltes Spiel zu treiben.
Glaubt man den Worten Musharrafs, dann wurde Pakistan nicht freiwillig zum Verbündeten. In seinen Memoiren schilderte der damalige Präsident, Washington habe gedroht, sein Land andernfalls in die Steinzeit zurückzubomben. Die US-Regierung wies diese Darstellung zurück. Sie ernannte die Islamische Republik 2004 offiziell zu einem bedeutenden Alliierten außerhalb der Nato. Dennoch hält sich seit Jahren der Verdacht, dass vor allem der Militär-Geheimdienst ISI Extremisten nicht effektiv genug bekämpft oder sogar unterstützt. Ein Vorwurf, den Pakistan dementiert.
Erheblich genährt wurden die Zweifel am pakistanischen Engagement zuletzt durch den Fall Bin Laden. Jahrelang konnte der mutmaßliche Drahtzieher der Anschläge vom 11. September unbehelligt in der pakistanischen Garnisonsstadt Abbottabad untertauchen. Wie tief das Misstrauen sitzt, bewies der amerikanische Alleingang bei der Tötung des Terroristen. Die Amerikaner ließen ihren Verbündeten über den Einsatz von US-Spezialkräften auf dessen Territorium im Dunkeln. Die Pakistaner schäumten über den beispiellosen Affront.
Das Land hat vom Kampf gegen den Terrorismus finanziell alles andere als profitiert. Die Anschläge vom 11. September 2001 und ihre Folgen hätten maßgeblich zum ökonomischen Verfall beigetragen, sagt der Chef der Wirtschaftsschule der Nationalen Universität für Wissenschaft und Technologie in Islamabad, Professor Ashfaque Hasan Khan. Die Folgen seien zunehmende Arbeitslosigkeit und Armut. Das wiederum treibt junge Pakistaner in die Arme von Extremisten.
Pakistan hätte sich bessergestellt, wenn es sich nicht am Kampf gegen den Terrorismus beteiligt hätte, sagt der frühere ISI-Chef Asad Durrani. Pakistan und die USA seien nach dem 11. September 2001 nie wirkliche Alliierte gewesen, sagt Durrani und die Beziehungen verschlechterten sich weiter. Inzwischen, so meint der Ex-Geheimdienstchef, könne von Partnerschaft überhaupt keine Rede mehr sein, im Gegenteil: Die USA und Pakistan befinden sich im Zustand eines nicht erklärten Krieges.
