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NWZonline.de Nachrichten Politik Hintergrund

Israels Panzer rollen in den Gazastreifen

29.06.2006

TEL AVIV Offiziere gehen davon aus, dass die Befreiung nicht mehr das primäre Ziel ist. Die Armee rückte zunächst zwei Kilometer ins Palästinensergebiet vor.

Von Carsten Hoffmann TEL AVIV - Der nächtliche Einmarsch der israelischen Armee in den südlichen Gazastreifen ist nur der Auftakt. Um den verschleppten israelischen Soldaten Gilad Schalit freizubekommen, soll der militärische Druck nun in den kommenden Tagen immer mehr erhöht werden. Mit Raketen hat die Luftwaffe das Elektrizitätswerk und mehrere wichtige Brücken zerstört. In einem nächsten Schritt sei auch die gezielte Tötung von Führern der regierenden radikal-islamischen Hamas geplant, berichten israelische Medien.

Israel sei auch zu extremen Schritten bereit, drohte Ministerpräsident Ehud Olmert am Mittwoch in Jerusalem. Offiziere sagen, es gehe nicht mehr nur um die Freilassung des Entführten. Ziel sei es, einen Preis für das Kidnapping einzufordern und vor künftigen Taten abzuschrecken, werden israelische Sicherheitsexperten zitiert.

„Dies ist kein Einsatz, der den entführten Soldaten Gilad Schalit befreien soll“, sagen sie. „Es ist uns klar, dass eine solche Operation unter den gegenwärtigen Umständen schwer möglich ist.“ Um der Drohkulisse Glaubwürdigkeit zu geben, rückte die Armee zunächst zwei Kilometer tief in den Gazastreifen ein. Der Jassir-Arafat-Flughafen wurde unter Kontrolle gebracht, wie auch das Dorf Al-Schauka. Von dort aus war ein Palästinenserkommando durch einen Tunnel nach Israel gelangt und hatte am Sonntag der Entführung den Grenzposten angegriffen. Aus der nahen Stadt Rafah flüchteten am Mittwoch bereits palästinensische Familien.

Nach der ersten Zustimmung zur Verschleppung des Israelis, die auf eine wochenlange Serie israelischer Luftangriffe folgte, merken die Menschen nun, was für ein gefährliches Ringen um die Freilassung begonnen hat. „Die Menschen waren begeistert über das Kidnapping, aber sie haben die Konsequenzen nicht bedacht“, sagt ein Palästinenser, der nicht namentlich genannt werden will, am Mittwoch in Gaza. „Es war nicht nötig, unser Volk in diese Krise zu bringen“, sagt er. Wie andere bemüht sich der Mann in einem Geschäft um den Kauf eines Stromgenerators.

Denn die israelischen Angriffe haben zu Stromausfällen bei etwa der Hälfte der rund 1,4 Millionen Palästinenser im Gazastreifen geführt. Ein großes Feuer zerstörte Teile der in Brand geschossenen Kraftwerksanlage. Ganze Städte und Dörfer sind in Dunkelheit versunken. Palästinensische Experten sagen, es könne bis zu sechs Monate dauern, die Schäden zu beheben. Der Gazastreifen ist in dieser Zeit wirtschaftlich noch abhängiger von Israel.

Die Einigung der rivalisierenden Palästinensergruppen auf ein Grundlagendokument, in dem Israel indirekt anerkannt wird, hat die Offensive nicht stoppen können. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hatte gehofft, die Anerkennung der Grenzen von 1967 durch die Hamas könnte den Weg für Verhandlungen mit Israel freimachen.

Militäreinsätze aber seien nicht geeignet, den entführten Soldaten zurückzubringen, warnte die israelische Zeitung „Jediot Achronot“ am Mittwoch. Anders sieht das der israelische Botschafter in Deutschland, Shimon Stein. Er verteidigte die Militäroffensive: „Wir haben drei Tage der Diplomatie die Chance gegeben“, sagte Stein. Israel sei verpflichtet, verschleppte Soldaten zu befreien, ergänzte er. Selbstverständlich werde sich Israel nach der Befreiung des 19-Jährigen aus dem Gazastreifen zurückziehen.

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