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NWZonline.de Nachrichten Politik Hintergrund

Italiens unsterbliches Operngenie

07.10.2013

Roma Es ist das Jubiläumsjahr zweier Operngiganten: Nach Richard Wagner ist Italiens unsterblicher Musikbotschafter Giuseppe Verdi an der Reihe. Am 10. Oktober vor 200 Jahren in dem damaligen Herzogtum Parma geboren, schuf der Sohn eines einfachen Gastwirts und Kleinbauern weltweit bekannte und beliebte Meisterwerke der Romantik.

Kein anderer der doch zahlreichen Opernkomponisten aus „Bella Italia“ steht in der Welt so sehr für die hohe Musikkultur des Stiefelstaates wie der Mann aus dem Ort Le Roncole bei Busseto, selbst Giacomo Puccini nicht. Verdi ist der Opernkomponist mit der umfangreichsten Diskographie, und nicht nur in Italien wird er in diesem Jahr ebenbürtig mit Richard Wagner gefeiert. Wobei die beiden Genies des Opernfachs sich nicht unbedingt gut verstanden haben.

Immer im Programm

Die Programme italienischer Opernhäuser sind immer gespickt mit Verdi-Glanzlichtern wie „La Traviata“, „Aida“ oder „Rigoletto“, in dieser Saison werden seine Werke mit den weltberühmten Arien jedoch noch mehr hervorgehoben. Von der Arena di Verona bis hin zu der Oper in Rom unter ihrem Ehrendirigenten Riccardo Muti steht der überaus erfolgreiche Komponist im Zentrum. Muti und das Orchester lieferten im Sommer eine gefeierte „Nabucco“-Premiere in der Ewigen Stadt ab.

Unterdessen brachte Stardirigent Riccardo Chailly zusammen mit der Mailänder Scala zum 200. Geburtstag „Viva Verdi“ heraus – mit den Ouvertüren und den Vorspielen auch weniger oft gespielter Opern. Die Feierstimmung in Italien ist groß, Verdi erfüllt das Land mit Stolz.

Doch schon vor dem Beginn des Jubiläumsjahres hatte es Streit um den Meister und seinen „Konkurrenten“ Richard Wagner gegeben. Denn die Mailänder Scala, die wohl bedeutendste Opernbühne Italiens, hatte ihre Saison Ende 2012 mit dem Teutonen Wagner eröffnet und nicht mit dem Norditaliener Verdi. Während der Mailänder „Corriere della Sera“ wetterte, dieses sei eine „Ohrfeige die italienische Kunst“, hielten andere die Kritik für provinziell und für einen Sturm im Wasserglas: Immerhin endet die Scala-Saison im Jubiläumsjahr selbst mit Verdis „La Traviata“, und Daniel Barenboim, der Wagners „Lohengrin“ an der Scala dirigierte, wandte sich massiv gegen kulturellen Nationalismus.

Bruch mit Traditionen

Verdi ist aber Italien wie kaum ein zweiter. Schon als Kind im zarten Alter von sieben Jahren erhielt er Orgelunterricht. So begann er seine steile Karriere als Organist, bekam als Teenager den ersten Kompositionsunterricht. Damit konnte seinen Anfang nehmen, was dann Jahrzehnte später etwa mit „Macht des Schicksals“, „Macbeth“ und „Don Carlos“ zu dem nur selten erreichten Inbegriff höchster Musikalität und der tiefsten Gefühle werden sollte – Verdi eben.

Da hatte er sich längst von der Tradition des Belcanto gelöst, das menschliche Drama und auch die Psychologie seiner Charaktere zu der Leitlinie einer unverwechselbaren melodischen Musik gemacht. Er bevorzugte dabei logischerweise Vorlagen großer Dramatiker wie William Shakespeare.

Eine besonders ergreifende Komposition Verdis ist zur heimlichen Nationalhymne vieler Italiener geworden: „Va pensiero“, der nach Freiheit strebende Gefangenenchor aus „Nabucco“. Als das in einer ziemlich tiefen Wirtschaftskrise steckende Land (2011) die 150 Jahre seiner immer noch schwierigen Einheit feierte, rief Muti in der Oper in Rom das Publikum zum Mitsingen auf: „damit unser schönes Vaterland nicht verloren sei“, die Kultur Italiens geschützt werde. Darauf folgten wahre Ovationen, in dem Chor brachen manche in Tränen aus, Hunderte von Zetteln mit „Viva Verdi“ regneten aus den Logen herab.

1839 wurde seine erste Oper „Oberto“ an der Mailänder Scala uraufgeführt, 1842 landete er mit „Nabucco“ in Mailand den ersten großen Erfolg seiner Karriere und wurde auch international bekannt. Verdi-Werke wie „Rigoletto“ oder „Il Trovatore“ gehören bis heute zu den beliebtesten Opern der Welt. Ein riesiger Erfolg wurde die in Kairo 1871 uraufgeführte „Aida“. Verdi kam auf diese Weise schnell zu Geld. Das war wichtig: Er sicherte damit sein Landgut Sant’Agata finanziell.

Sozial engagiert

Verdi war zweimal verheiratet, seine erste Frau und seine beiden Kinder starben aber früh. Im 19. Jahrhundert saß er als Abgeordneter im italienischen Parlament. Verdi starb am 27. Januar 1901 im Alter von 87 Jahren in Mailand an einem Schlaganfall. Typisch der Meister: Als sein bestes Werk soll er die „Casa Verdi“ genannt haben, das von ihm gestiftete Seniorenheim für Musiker und Sänger in Mailand. In einer Gruft dort liegt der „Unsterbliche“ auch begraben.

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