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NWZonline.de Nachrichten Politik Hintergrund

„Jedermann“ nicht jedermanns Sache

15.07.2013

Salzburg Selbst der Schauspielchef der Salzburger Festspiele sagt, das Theaterstück „Jedermann“ über das Leben und Sterben des reichen Mannes sei nicht zeitgemäß. Schon bei der Uraufführung 1911 sei es das nicht gewesen, meint Sven-Eric Bechtolf. Trotz – oder vielleicht auch wegen – des Erfolgs scheiden sich an dem Drama von Hugo von Hofmannsthal (1874– 1929) die Geister: Während das Publikum vom „Jedermann“ in Salzburg meist begeistert ist, betrachten viele Kritiker das Open-Air-Spektakel als belanglose Folklore.

In diesem Jahr (Premiere: 20. Juli, 21 Uhr) ist vieles neu: sowohl die Inszenierung, für die der Brite Julian Crouch und der Amerikaner Brian Mertes sorgen, als auch die Besetzung der Rollen Jedermann und Buhlschaft mit dem Österreicher Cornelius Obonya (44) und der Deutschen Brigitte Hobmeier (37). Als neuer Tod löst Peter Lohmeyer (51) nach vier Jahren Ben Becker (48) ab.

Im vergangenen Jahr hatte Christian Stückl (51), der Regisseur der Oberammergauer Passionsspiele, nach elf Jahren seine Inszenierung zum letzten Mal betreut. Es spielten noch Nicholas Ofczarek (42) und Birgit Minichmayr (36) den Jedermann und die Buhlschaft.

Reiz im Unzeitgemäßen

„Im Unzeitgemäßen liegt sein Reiz“, schrieb Bechtolf im Blog der Festspiele. „Nicht in der anti-modernen, restaurativ-katholischen und völkischen Gesinnung Hofmannsthals, sondern in der Einfachheit seiner Vorlage.“ Das Unzeitgemäße, das nicht dem Zeitgeist Entsprechende, sei zu allen Zeiten eine Provokation. Sie liege darin, dass das Stück „an einen immer noch unbewältigten Sachverhalt“ erinnere: „unseren Tod und unsere Gottesvorstellung“.

Seit 1920 ist der „Jedermann“ Teil der Salzburger Festspiele. Erster Regisseur war damals Max Reinhardt (1873–1943). Zu den beeindruckendsten Darstellern des „Jedermann“ gehörten Attila Hörbiger vor mehr als 60 Jahren, Will Quadflieg in den 50ern, Curd Jürgens in den 70er Jahren und Klaus Maria Brandauer in den 80ern.

Bei der Rolle der „Buhlschaft“, der Frau an seiner Seite, gab es in den vergangenen Jahrzehnten mehr Wechsel als beim Jedermann selbst. Zu den Darstellerinnen, die wenig Text haben, aber umso mehr zum Hingucken sein sollen, gehörten Nadja Tiller, Christiane Hörbiger, Senta Berger, Sunnyi Melles, Sophie Rois oder Nina Hoss.

Der Rekord-Jedermann Peter Simonischek, der die Rolle in den Jahren 2002 bis 2009 verkörperte, gestand 2009 der „Süddeutschen Zeitung“, dass er den Erfolg des Stücks auch nicht erklären könne: „Der ,Jedermann’ zählt zu den Selbstläufern, das Stück ist einfach Kult. Keiner weiß wirklich, warum.“

Entertainer-Qualitäten

Simonischeks Erklärungsversuch: „Das Stück beschäftigt sich mit den letzten Dingen in einer nicht sehr bedrohlichen Weise, die Zuschauer können sich zurücklehnen, denn sie wissen: Es geht gut aus.“ Man lasse sich stellvertretend begnadigen durch diesen Jedermann. „Und so übel ist er ja gar nicht, verglichen mit den Sauereien, die in der Finanzbranche heute üblich sind.“

Gert Voss, Jedermann vier Jahre lang in den 90ern, gab 1995 in einem Interview des Magazins „Der Spiegel“ zu, lange keinen Zugang zu dem Drama gefunden zu haben. Erst Peter Stein, damals Salzburger Schauspielchef, habe ihn überredet. Dann habe er das Stück intensiv gelesen und plötzlich die Hauptfigur im Kampf gegen den Tod als „berührend“ empfunden: „Dieser Clown, der denkt, dass sein Geld ihm jede Freiheit verschafft und ihn zum Gott macht, muss lernen, dass es noch eine Übermacht gibt, die ihm ein Stoppschild entgegenhält.“

Als Schauspieler auf dem großen Platz vor Salzburgs imposantem Dom brauche man besondere Entertainer-Qualitäten, betonte Voss: „Naturalismus ist da nicht gefragt. Es ist großes, gestisches und leidenschaftliches Spiel notwendig.“


Mehr Infos und Karten:   www.salzburgerfestspiele.at 
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