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NWZonline.de Nachrichten Politik Hintergrund

40 Jahre Grüne: Aus Anti-Bewegung wurde Partei

11.01.2020

Karlsruhe /Berlin Die Gründung der Partei wird von Augenzeugen als chaotisch beschrieben, das Medienecho war geteilt (um es freundlich zu sagen) und einer der gewählten Vorsitzenden musste nach ein paar Monaten gehen: Vor 40 Jahren, am 12. und 13. Januar 1980, wurde aus der „sonstigen politischen Vereinigung“ die Partei Die Grünen. Die Gründungsversammlung fand in Karlsruhe statt, weil wenige Wochen später in Baden-Württemberg Landtagswahlen folgten. „Jetzt Bundespartei – aber ohne Programm“ ätzten die bürgerlichen Zeitungen zu dem Umstand, dass es nicht zur Verabschiedung eines Programms kam. Das folgte erst später.

Zumindest ging das Kalkül auf, dank der öffentlichen Aufmerksamkeit in den Landtag von Baden-Württemberg ein zu ziehen. 5,3 Prozent der Stimmen bekamen die Grünen bei der Landtagswahl 1980, erstmals wurde Winfried Kretschmann Mitglied des Landtags Baden-Württenberg. Fraktionsstatus bekamen die Grünen damals nicht. Dafür hatten sie die Parteienlandschaft in der Bundesrepublik Deutschland gehörig durcheinandergewirbelt. 20 Jahre lang hatten nur CDU/CSU, SPD und FDP die beherrschende Parteienlandschaft gebildet (1949 waren zehn Parteien in den Bundestag gewählt worden, das reduzierte sich bis zur Wahl 1961).

Und nun die Grünen. Den Einzug in den Bundestag schafften sie zwar 1980 nicht, denn bei seiner einzigen Kanzlerkandidatur hatte Franz-Josef Strauß (CSU) das Land polarisiert. Als geringeres Übel wählten viele Helmut Schmidt (SPD), um Strauß zu verhindern.

Die ersten Sprecher der Grünen waren August Haußleiter (nach dessen Rücktritt im Juni 1980 Dieter Burgmann), Petra Kelly und Norbert Mann. Haußleiter musste zurücktreten, nachdem nationalistische Äußerungen von ihm aus den 50ern bekannt wurden. In der Tat hatte sich da ein breites Spektrum von Anti-Bewegungen (Anti-Atomkraft, Anti-Atomraketen), Links- und Ökosozialisten sowie Nationalkonservative zusammengerauft. Die Nationalkonservativen verließen die Partei bald oder schlossen sich ihr erst gar nicht an.

Parlament als Bühne für die eigenen Ideen oder Übernahme der Regierungsmacht – der jahrzehntelange Streit zwischen Fundis und Realos war gefunden. Aber schon 1983 zogen die Grünen als Fraktion in den Bundestag. Basisdemokratisch, ökologisch orientiert und gewaltfrei – mit diesem Selbstverständnis zogen die ersten grünen Bundestagsabgeordneten in Bonn ins Parlament.

Nach dem basisdemokratischen Selbstverständnis und dem Verständnis der Bürgerpartizipation mussten die ersten Abgeordneten nach zwei Jahren ihr Mandat an Nachrücker abgeben. Bald reifte die Erkenntnis, dass parlamentarische Arbeit Kontinuität braucht. Aber Berufsabgeordnete mit langer Parlamentszugehörigkeit, das ist heute noch selten bei den Grünen. Dafür ist der Frauenanteil bei den Grünen-Parlamentariern am höchsten.

Die erste Regierungsbeteiligung folgte bald: 1985 traten die Grünen in eine Koalition mit der SPD in Hessen ein (die hatte dort einst, jawohl, absolute Mehrheiten). Der Grünen-Politiker Joseph (genannt Joschka) Fischer wurde Minister. Neuer Stil: Zur Vereidigung erschien er in Turnschuhen. Die Koalition zerbrach bald (1987). Fortan hatten erst einmal wieder die „Fundis“ das Sagen bei den Grünen. Langweilig ist es bei den Grünen nie gewesen, weil die Lust an der Debatte (und Demontage der anderen) obsiegte.

Hans Begerow Leitung / Politik/Region
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