KARLSRUHE - Einer der Glaubenskrieger heißt Fritz. Ein gebürtiger Münchner mit dem urdeutschen Namen gehört zu den drei Männern, die nun unter Terrorverdacht in Untersuchungshaft sitzen. Die radikalen Islamisten sollen Bomben von gewaltiger Sprengkraft geplant haben, mit denen sie hier wohl viele Menschen in den Tod gerissen hätten.
Fritz G. aus Ulm und Daniel S. aus dem Saarland: Zwei zum Islam übergetretene Deutsche, unterwegs für den globalen „Dschihad“ („Heiligen Krieg“), wollten zusammen mit einem Türken offenbar ein Blutbad anrichten. Und plötzlich taucht in der Diskussion um den islamistischen Terrorismus ein neues Wort auf, das nunmehr einen gefährlichen Klang annimmt: die Konvertiten.
Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) warnte, dass es sich bei den Religionswechslern mitunter um „gefährliche, fanatische Leute mit hoher krimineller Energie“ handele. Sein bayerischer Kollege Günther Beckstein (CSU) plädierte sogar dafür, Übertritte künftig in bestimmten Fällen überwachen zu lassen. Konvertiten neigten „eindeutig dazu, sich durch besonderen Fanatismus der neuen Religion als würdig erweisen zu wollen“.
Neu ist das Phänomen der „homegrown terrorists“ – der „hausgemachten“ Terroristen – nicht. Bekanntestes Beispiel war der 2003 verhaftete Christian Ganczarski aus Duisburg, nach Medienberichten ein Vertrauter von El-Kaida-Führer Osama bin Laden. Inzwischen tauchen immer wieder Islamisten mit deutschem Pass auf. Mitte August wurde ein aus Pakistan abgeschobener Terrorverdächtiger in München in Haft genommen. Er soll Deutsche für den „Heiligen Krieg“ geworben haben.
Dabei hat die große Mehrheit der Konvertiten, die vom Christentum zum Islam übertreten, mit einem radikalen Islamismus oder gar mit Terrorismus überhaupt nichts zu tun. Konvertiten, behauptet die Islam-Wissenschaftlerin Ursula Spuler-Stegemann, seien „selbst in hohen Rängen von Bundeswehr und NATO zu finden“.
Über die genaue Zahl herrscht Rätselraten. Das Islam-Archiv in Soest geht von insgesamt 18 000 Konvertiten in Deutschland aus. Bei denjenigen, die ins Terror-Milieu abrutschen, steht am Anfang der Bruch mit dem bisherigen Umfeld. „Sie hassen die eigene Gesellschaft, aus der sie kommen“, so Salim Abdullah vom Islam-Archiv. Sie werden anfällig für Hassprediger in Hinterhof-Moscheen.
Der Lebensweg von Daniel S. scheint die These zu belegen. Mit 19 soll er zum Islam übergetreten sein und danach in Ägypten Arabisch gelernt und den Koran studiert haben. 2006 folgte die Ausbildung zum Terroristen in einem Camp in Nordpakistan. Am Ende war er nach Einschätzung von Generalbundesanwältin Monika Harms an einer der „schwerwiegendsten Anschlagplanungen“ der deutschen Geschichte beteiligt.
