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NWZonline.de Nachrichten Politik Hintergrund

Perry Rhodan: Karriere eines unsterblichen Terraners

31.08.2011

RASTATT Bisher sind 2610 Heftromane über den rüstigen Weltraumpionier Perry Rhodan (PR) erschienen. Und Ralf Boldt aus Edewecht (Landkreis Ammerland) hat sie alle gelesen – rund 160 000 Seiten. Wirklich alle? Der 49-Jährige, der im Vorstand des Science Fiction Clubs Deutschlands (SFCD) arbeitet, zuckt nur die Schultern. Ist doch selbstverständlich für einen echten Fan des „Perryversums“. Sorgsam geordnet in beschrifteten Ablagekartons findet sich der unsterbliche Astronaut überall im Haus – wo gerade Platz ist, auch im Schlafzimmer.

Und doch würde sich Boldt nicht als fanatischen Rhodan-Leser bezeichnen, sondern eher als „klassischen“, der über Jahre hinweg auch mal eine Lese-Pause eingelegt hat. Die entstandenen Lücken hat er später natürlich gefüllt. Aber wenn er sich bemüht, einem Laien die Handlung des ersten Heftes zu umreißen, startet er einen Schnelldurchlauf und verzichtet auf Details. „Es gibt andere“, sagt der 49-Jährige und grinst etwas mitleidig, „die können beispielsweise einen Dialog auf Seite 30 von Heft 1678 wiedergeben.“ Und die archivieren ihre Hefte nicht bloß in säurefreien Tüten wie Boldt, sondern gleich vakuumverpackt.

Seit dem Bau der Berliner Mauer liegt die Groschenroman-Serie „Perry Rhodan“ nun schon am Kiosk – der längste Fortsetzungsroman aller Zeiten. Erdacht wurde er von den deutschen Science-Fiction-Autoren Walter Ernsting alias Clark Darlton und Karl-Herbert Scheer.

„Unternehmen Stardust“ lautete der Titel des ersten Heftes, in dem der deutschstämmige US-Astronaut Perry Rhodan 1971 mit seiner Crew auf dem Mond landet und dort auf zivilisierte, aber leicht degenerierte Außerirdische mit ihrem havarierten Raumschiff trifft. Arkoniden heißen sie und besitzen eine überlegene Technik, die ihnen der gewiefte Rhodan abschwatzt und damit den Dritten Weltkrieg auf der Erde verhindert. Von da an geht es buchstäblich aufwärts: Die Terraner, wie sich die Menschen fortan nennen, brechen auf ins All. Und dank eines komfortablen „Zellaktivators“, den er von der Superintelligenz „ES“ erhält, ist unser Mann im All für alle Zeit unsterblich.

Aktuell ist die Serie im Jahr 5050 angekommen und umfasst 3000 Jahre Menschheitsgeschichte. Längst hat sich in der Fantasie von Autoren und Lesern ein komplexes Paralleluniversum entwickelt, in dem sich Neueinsteiger nur mit Nachhilfe zurechtfinden.

Diese Erfahrung machte auch Boldt im Alter von elf Jahren, als er zum ersten Mal am Kiosk die „Fix und Foxi“-Hefte links liegen ließ – „damit war man immer so schnell durch“ – und für 70 Pfennige (heute 1,95 Euro) zu „Perry Rhodan“ griff. Davon hatte er in der Tat länger etwas: Für die 60 Seiten benötigte er drei Monate. „Das Problem war, dass ich nichts verstand.“ Kein Wunder, denn er stieg mit Band 644 ein.

Im Computer-Zeitalter lassen sich Verständnisprobleme inzwischen schneller bewältigen. So gibt es im Internet ein „Perrypedia“, das wie die Netz-Enzyklopädie Wikipedia aufgebaut ist, zudem für klassische Leser ein fünfbändiges Lexikon und Einstiegshilfen vom Pabel Moewig Verlag.

Ein Heer von Autoren schreibt parallel nach den Vorgaben des jeweiligen Exposé-Autors an der Serie. Einer der erfolgreichsten war der Oldenburger Robert Feldhoff (1962–2009), der zwölf Jahre lang Chefschreiber der wöchentlichen Fortsetzungsserie war und mit dafür sorgte, dass sie aus der Schund- und Schmuddelecke kam. Inzwischen sei das „industrialisiertes Schreiben“, sagt Boldt mit vorsichtiger Kritik und hegt keine Ambitionen, selbst unter die Autoren zu gehen. Muss er auch nicht: Am 2. September erscheint ein neues Heft, Band 2611. Wie seit 50 Jahren. Und kein Ende abzusehen.

Regina Jerichow Redakteurin (Ltg.) / Kulturredaktion
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