Leipzig - Sigmar Gabriels Zustandsbeschreibung findet weitgehend Zustimmung bei den niedersächsischen Sozialdemokraten. Vor allem die Fehleranalyse des SPD-Vorsitzenden zum Bundestagswahlkampf trifft auf eine zustimmende Resonanz.
Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil ahnt dabei: „Diese Debatte ist noch längst nicht zu Ende.“ Der SPD-Landesvorsitzende wirbt in seiner Partei für das Mega-Thema Bildungspolitik. Damit könnten die Sozialdemokraten bei den Bürgern in Zukunft punkten.
Die SPD-Bezirkschefin Weser-Ems, Johanne Modder, spricht von „sehr ehrlichen und sehr kritischen“ Anmerkungen des Parteivorsitzenden. „Sprechen wir noch die Sprache der Wähler und wie kommen wir dichter an die Menschen ran?“, fragt sich die Fraktionschefin im niedersächsischen Landtag. Für Modder steht fest, dass die Partei „wieder die Vernetzung mit der Gesellschaft hinbekommen muss.“ „Aber“, so gibt die Bezirkschefin zu bedenken, habe die SPD keinen Anlass, „in Sack und Asche zu gehen.“ Modder: „Wir bleiben eine große Partei.“
Die Bezirkschefin von Nord-Niedersachsen, Petra Tiemann, nennt die Gabriel-Rede „angemessen“. Sie sei an vielen Stellen getragen gewesen von der Bereitschaft zur Selbstkritik. Die sehr nachdenkliche Reaktion der Delegierten „tut der Partei und Sigmar gut“, glaubt Tiemann. „Zukunftsweisend“ seien Gabriels Anmerkungen gewesen, „die Maßstäbe gesetzt haben für eine Große Koalition.“ Tiemann: „Jetzt weiß jeder, wie hoch die Latte liegt.“
Der junge Bundestagsabgeordnete Dennis Rohde (Oldenburg/Ammerland) hat „sehr deutliche und sehr kritische Hinweise“ mit Blick auf die Wahlkampfführung gehört. Die SPD müsse registrieren, dass sie „kein ausreichendes Angebot gemacht hat für Menschen, die nicht in prekären Verhältnissen leben.“ „Das Thema der Zukunft“ sind für Dennis Rohde die Gefahren von Altersarmut. „Diese Probleme müssen wir stärker in den Vordergrund stellen“, verlangt der SPD-Parlamentarier, der mit Blick auf die Koalitionsverhandlungen mit der Union sagt: „Notfalls muss man eine Große Koalition platzen lassen.“
