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NWZonline.de Nachrichten Politik Hintergrund

Der Kanzler-Flieger und die „höhere abstrakte Gefahr“

01.12.2018

Köln Angela Merkel sitzt erst ein paar Minuten neben Olaf Scholz im Besprechungsraum ihres Regierungs-Airbus „Konrad Adenauer“, als eine Stewardess das Briefing stört. „Es ist wichtig“, sagt die Frau ernst und bittet die Kanzlerin mit Nachdruck heraus. Kurz darauf wird klar: Das Flugzeug hat nur knapp eine Stunde nach dem Start um 18.55 Uhr zum G20-Gipfel in Buenos Aires ein Problem – und mit ihm die Passagiere.

Unruhe in der Kabine

Wegen eines technischen Defekts müsse man zurückkehren nach Köln, zum Heimatstandort der Flugbereitschaft der Luftwaffe, dort stehe wohl eine Ersatzmaschine, macht die Kanzlerin deutlich. Da ist ihr Flugzeug gerade über den Niederlanden. Unruhe macht sich zu diesem Zeitpunkt unter den Fluggästen noch nicht breit.

Eine halbe Stunde später aber, kurz vor der außerplanmäßigen Landung in Köln um 21.20 Uhr, berichtet der Flugkapitän über die Bord-Sprechanlage nüchtern, einige elektrische Systeme am Flugzeug seien ausgefallen. Den Weiterflug über den Atlantik könne man so nicht fortsetzen. Es werde aber eine sichere Landung geben, versucht er die Mitreisenden zu beruhigen. So ganz gelingt ihm das nicht. Manche an Bord werden ganz still.

Erst nach der ziemlich harten Landung auf dem Kölner Flughafen wird vielen klar, wie brenzlig die Situation gewesen sein könnte. Ein Löschzug der Flughafenfeuerwehr steht mit Blaulicht neben der stehenden Maschine, um notfalls eingreifen zu können. Die Bremsen des Flugzeugs müssten geprüft werden, weil sie wegen des hohen Landegewichts – die Maschine war vollgetankt – stark beansprucht wurden, erklärt der Kommandant.

Ein defektes Bauteil – eine zentrale Schalteinheit in der Bordelektronik („Transformer Rectifier Unit“) – hat gleich zwei Funksysteme lahmgelegt, die sich im Notfall gegenseitig ersetzen sollen. Und auch verhindert, dass der Pilot Kerosin in der Luft ablassen kann, um das Landegewicht zu verringern.

Diese ungewöhnliche Kombination ist bei den A340-Maschinen der Flugbereitschaft noch nicht vorgekommen, heißt es im Verteidigungsministerium. Natürlich habe eine „höhere abstrakte Gefahr“ bestanden, sagt ein Sprecher. Die Frage, wie es genau zu einem solchen Schaden gekommen ist, bleibt am Freitag unbeantwortet.

Eine Ersatzmaschine stand am Donnerstagabend am Flughafen Berlin-Tegel bereit. Der Umweg über Köln und der folgende Flug nach Argentinien hätten aber die erlaubten Arbeitszeiten der Besatzung überschritten. Merkel, Scholz und ihre Delegation fahren zur Übernachtung in einem kleinen Konvoi in ein Bonner Hotel.

Zu diesem Zeitpunkt steht der Entschluss längst fest, dass die Kanzlerin, ihr Vizekanzler und ein Bruchteil der Delegation am nächsten Morgen mit einer kleineren Maschine der Flugbereitschaft nach Madrid fliegen und dort in eine Linienmaschine nach Buenos Aires umsteigen. Merkels Mann Joachim Sauer bleibt zurück, er hätte sowieso die Hälfte des Partnerprogramms verpasst, heißt es.

Dank von der Kanzlerin

Zum Ende des ersten Abends dieser G20-Odyssee, gegen 1 Uhr in der Nacht zum Freitag, zeigt sich die sonst so nüchtern wirkende Kanzlerin ziemlich emotional. „Es war eine ernsthafte Störung“, sagt Merkel. Dann findet die Kanzlerin noch außergewöhnliche Worte für die Mannschaft des Flugzeugs und vor allem für den Piloten: Sie habe „eine sehr, sehr exzellente Crew gehabt“ – und das Kommando habe „der erfahrenste Kapitän der Flugbereitschaft“ geführt. Das klingt mehr als nur ein bisschen erleichtert.

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