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NWZonline.de Nachrichten Politik Hintergrund

Sturmflut Von 1962: Krisenmanager Schmidt missachtet Gesetze

02.02.2012

HAMBURG Herr der Fluten und Volksheld, Krisenmanager und beherzter Macher: Die Hamburger verehren Helmut Schmidt vor allem wegen seines Einsatzes als Innensenator während der großen Sturmflut 1962. Damals rettete der SPD-Politiker und spätere Bundeskanzler (1974-1982) vielen Menschen das Leben, indem er das Militär zu Hilfe rief. Als Hamburger Polizeisenator gerade mal zwei Monate im Amt riss der damals 43-Jährige die Zügel an sich – alles hörte auf sein Kommando und tanzte nach seiner Pfeife, wie Medien seither immer wieder gern über den Pfeifenraucher schrieben.

Schmidt kehrte am Abend jenes 16. Februars von der Innenminister-Konferenz in Berlin nach Hamburg zurück. Gegen Mitternacht traf er daheim im Stadtteil Langenhorn ein. „Dass gleichzeitig in Hamburg eine Katastrophe passierte, habe ich nicht gemerkt“, sagte er in einem ausführlichen Interview für das vor einigen Jahren gedrehte TV-Dokudrama „Die Nacht der großen Flut“. In dem preisgekrönten Film schilderte er noch einmal jene Tage, die zu den wichtigsten seiner Karriere gehörten.

Erst spät, am nächsten Morgen wurde Schmidt damals alarmiert. „Ich bin wie ein Verrückter unter Verletzung sämtlicher Verkehrsregeln in die Stadt gefahren“, erinnerte er sich. Nach nur wenigen Minuten sei er gegen 6.40 Uhr im Lagezentrum eingetroffen. „Ich hatte den Eindruck, dass das eingetreten war, was ich mir im Herbst 1961 vorgestellt hatte: lauter aufgeregte Hühner“, sagte er.

Regierungsdirektor Werner Eilers hatte ihn alarmiert – Martin Leddin, damaliger Einsatzleiter, nicht: „Ich wollte ihn nicht haben. Vielleicht habe ich ihm auch nicht zugetraut, eine so hohe Verantwortung bei so wenig Sachkenntnis übernehmen zu können . . .“, schildert dieser in dem Film.

Schmidt übernahm das Kommando und organisierte Hilfe – auch von der Bundeswehr und der NATO. Gesetzlich legitimiert war der Einsatz des Militärs nicht. „Ich hab mich um die Gesetze nicht gekümmert. Ich hab auch nicht erst einen Juristen gefragt, ob ich das darf oder jenes nicht darf“, meinte Schmidt, der im Krieg gelernt habe, Dinge zu machen, die nicht in Vorschriften zu finden waren. „Ich habe das Grundgesetz nicht angeguckt in jenen Tagen“, sagte er über seine Entscheidungen bei der Sturmflut. Als Konsequenz aus dem damals umstrittenen Vorgehen wurde der Bundeswehreinsatz bei zivilen Katastrophen später in der Verfassung festgeschrieben.

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