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NWZonline.de Nachrichten Politik Hintergrund

Südtirol: Langer Streit schwelt leise weiter

31.08.2016

Bozen Als Pariser Vertrag ist er in die Geschichte eingegangen und versprach den Menschen in Südtirol und im Trentino mehr Autonomie. Vor 70 Jahren, am 5. September 1946, wurde das Autonomie-Abkommen zwischen Österreich und Italien in Paris unterschrieben.

Österreich verzichtete darin auf die Rückgliederung Südtirols, Italien bekam die territoriale Souveränität zugesprochen, garantierte der deutschsprachigen Bevölkerung im Gegenzug die kulturelle Identität. Die Südtiroler jedoch wurden nicht gefragt, ob sie weiter zu Italien gehören wollten.

Der Konflikt um die Südtiroler Selbstbestimmung, der zeitweise bewaffnet und mit Anschlägen geführt wurde, schwelt trotz der mittlerweile drei Autonomieabkommen weiter. Auch heute noch haben sich nicht alle deutschsprachigen Bewohner südlich des Brenners mit der Zugehörigkeit Südtirols zu Italien abgefunden. Noch 2013 fand ein von der Partei „Süd-Tiroler Freiheit“ organisiertes Referendum statt, in dem 92 Prozent der Teilnehmer (etwa 15 Prozent der Wahlberechtigten) für die Selbstbestimmung gestimmt hatten.

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Geheimabkommen 1915

Südtirol gehört seit 1920 zu Italien. In einem Geheimabkommen in London (1915) hatte Rom Südtirol zugesprochen bekommen als Gegenleistung für den Eintritt in den 1. Weltkrieg. In der Folge kämpften italienische Soldaten einen blutigen Gebirgskrieg gegen Österreich. Und als der Krieg im November 1918 mit der Niederlage für die k.u.k.-Monarchie endete, rückten italienische Truppen bis an den Brenner vor. Es folgten bittere Jahre für die Südtiroler. Ab 1923 durfte in den Schulen (bis auf wenige Ausnahmen) nicht mehr auf Deutsch unterrichtet werden. Nur der Religionsunterricht war auf Deutsch erlaubt. Genauso schlimm empfanden die Südtiroler die Italianisierung der Ortsnamen. Der Nationalist Ettore Tolomei (1865 bis 1952) hatte sich die „Austilgung des Südtiroler Deutschtums“ auf die Fahnen geschrieben. Erst die Machtübernahme der Faschisten unter Benito Mussolini (ab 1922) ermöglichte ihm, große Teile seines Plans umzusetzen. Die Ortsnamen wurden oft plump umbenannt. Aus Gossensaß wurde Colle Isarco, weil die Kirche auf einem Hügel (colle) liegt, und im Tal die Eisack (Isarco) vorbeifließt. Aus Franzensfeste wurde Fortezza oder aus Sterzing Vipiteno. Die Südtiroler Denkmäler wurden verboten, stattdessen 1928 ein Siegesdenkmal in Erinnerung an den italienischen Sieg über Österreich in Bozen errichtet. Der Standort war eine Provokation, nämlich dort, wo das im Rohbau bereits fertiggestellte Denkmal für die im 1. Weltkrieg gefallenen Kaiserjäger stand. Es wurde gesprengt. Das Waltherdenkmal (errichtet 1889) in Bozen musste versetzt werden, 1933 zerstörten Unbekannte den Laurinbrunnen (1907). Im Gegensatz zu anderen faschistischen Denkmälern wurde das Siegesdenkmal 1945 nicht gesprengt.

Die Annexion Österreichs durch Hitler-Deutschland versetzte die Südtiroler kurzzeitig in Euphorie. Doch Hitler blieb bei seiner Aussage, dass der Brenner die Grenze Deutschlands sein solle. Die Südtiroler wurden vor die Wahl gestellt, nach Österreich umzusiedeln oder die italienische Staatsangehörigkeit zu behalten („Option“). Rund 86 Prozent der Südtiroler stimmten 1939 für ihre Umsiedlung. Ihre deutsche Kultur war ihnen wichtiger als der Verbleib auf den Höfen und in den Dörfern und Städten. 75 000 verließen tatsächlich Südtirol, danach geriet die Umsiedlung ins Stocken, auch weil es kein – wie versprochen – einheitliches Siedlungsgebiet für die Südtiroler gab.

Schlag wegen Tiroler-Hut

Nach dem Krieg stand die Südtirol-Frage wieder an. Schon während des Krieges hatten die Regierungen in London, Washington und Moskau eine Rückkehr Südtirols zu Österreich diskutiert, doch letztlich verworfen. Man darf nicht vergessen, dass nach dem Krieg ein Teil Österreichs zur Einflusssphäre der Sowjetunion gehörte. Und es lag im westlichen Interesse, das Abgleiten Italiens in die östliche Einflusssphäre zu verhindern. So wurde auf britische Initiative das Abkommen in Paris ausgehandelt – mit den bekannten Folgen: Südtirol blieb bei Italien, Österreich verzichtete.

Mit Misstrauen beäugten die Südtiroler die Verfassungsgebende Versammlung. Dort waren sie nicht einmal vertreten. Mühsam erreichten sie im Laufe der Jahre Verbesserungen auf kulturellem Gebiet.

Als vor fünf Jahren das 150-jährige Bestehen Italiens gefeiert wurde, gab es nicht gerade harmonische Töne aus Bozen. „Die deutschsprachige Gruppe hat nichts zu feiern. 1919 hat man uns nicht gefragt, ob wir Teil des italienischen Staates werden wollten“, sagte der damalige Bozener Landeshauptmann (Ministerpräsident) Luis Durnwalder (bis 2014). „Mein Vater erzählte, einmal ging er von unserem Ort Pfalzen nach Bruneck, und weil er einen Tiroler Hut trug, bekam er sofort ein paar Watschn. Dann wurde er umgetauft, aus einem Johann hat man einen Giovanni gemacht. Das Dorf Pfalzen wurde zu Falzes, mein Elternhof hieß plötzlich nicht mehr Oberwalder, sondern Maso di Sopra“, erinnert sich der SVP-Politiker, der 2014 von Andreas Kompatscher (SVP) abgelöst wurde.

Hans Begerow Leitung / Politik/Region
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