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FRAGE:
Hamburgs Modell der sechsjährigen Primarschule wurde eine Absage erteilt. Warum?
KRAUS
: Die Entscheidung für eine sechsjährige Grundschule wäre ein folgenschwerer Irrtum gewesen. Das hat das bürgerliche Lager in Hamburg erkannt. Und in sozial schwächeren Stadtteilen ist das Versprechen der schwarz-grünen Regierung, die sechsjährige Grundschule bringe mehr Chancengleichheit, offenbar nicht angekommen. Dort war die Wahlbeteiligung zum Teil sehr gering.
FRAGE:
Ist denn erwiesen, dass sechs Jahre Grundschule schlechter sind als vier Jahre?
KRAUS
: In Deutschland haben nur Brandenburg und Berlin die sechsjährige Grundschule. Beide Länder sind bei den Pisa-Vergleichen regelmäßig auf den hintersten Plätzen. Die sechsjährige Grundschule ist ein leeres Versprechen. Starke Schüler werden gebremst, schwache Schüler erhalten keine bessere Förderung, sondern bleiben frustriert zurück.
FRAGE:
Dabei hängen Bildungserfolg und sozialer Hintergrund in Deutschland immer noch so stark zusammen wie in kaum einem anderen vergleichbaren Land.
KRAUS
: Wir müssen da bereits in der Vorschulzeit ansetzen. Viele Kinder sind bei der Einschulung in Sprachverständnis und Auffassungsgabe noch nicht soweit, wie sie sein sollten. Deshalb muss gerade im letzten Kindergartenjahr noch ein stärkerer Schwerpunkt auf Sprachschulung gelegt werden als bisher.