LONDON - Das Rampenlicht mochte Gordon Brown noch nie. Der britische Premierminister ist medienscheu, manchmal mürrisch, manchmal aufbrausend. Aber es gibt wohl wenige Politiker, die so zäh sind und so eine dicke Haut haben wie der 59-jährige Schotte. Bis zu seiner Ankündigung am vergangenen Montag, er werde im Herbst seinen Posten als Labour-Chef räumen, hat Brown viele Demütigungen ertragen und alle Krisen ausgesessen.
Zehn Jahre wartete Brown in der Position des Finanzministers auf das Amt des Premiers. Im Juni 2007 beerbte er seinen charismatischen Vorgänger Tony Blair – ohne vom Volk gewählt zu sein. Auch als Chef der Labour-Partei wurde Brown nie gewählt. Zwar versuchte Brown in den Jahren in der Downing Street, sich einen frischeren Anstrich zu geben. Doch bei öffentlichen Auftritten ist er immer noch verkrampft, sein Lächeln wirkt aufgesetzt.
Punkten konnte er dagegen mit Entscheidungskraft, Erfahrung, gnadenlosem Arbeitswillen und Intelligenz. Als Sohn eines Pfarrers wuchs er in der schottischen Arbeiterstadt Kirkcaldy auf, was sein Verständnis von Sozialdemokratie stark prägte. In der Schule übersprang er zwei Klassen, mit 16 fing er an, Geschichte in Edinburgh zu studieren.
Nachdem er kurz als Lektor und Journalist gearbeitet hatte, wurde er 1983 Abgeordneter für die Labour-Party. Seine Glanzzeiten hatte er als mächtiger Schatzkanzler in einer Phase, in der die britische Wirtschaft boomte. Damals trug Brown den Namen „Eiserner Kanzler“. Mit seinem Dauerkonkurrenten Blair gab es schon damals den Deal, dass Brown diesen beerben würde.
Brown hat sich über die Jahre immer mehr öffnen müssen: Seine Frau Sarah – eine Marketingexpertin – machte ganz offensiv für ihn Wahlkampf. Auch zeigte er in einem Interview erstmals öffentlich Tränen, als er über den Tod seiner frühgeborenen Tochter Jennifer sprach. Seine beiden Söhne James Fraser (3), der an Mukoviszidose leidet, und John (6) hält er allerdings immer noch aus dem Licht der Öffentlichkeit. Aus der Politik will Brown sich zurückziehen und will sich für karitative Projekte einsetzen.
