London - Die britische Premierministerin Theresa May will vom Parlament mehr Zeit für die Brexit-Nachverhandlungen mit der EU. „Die Gespräche sind in einem entscheidenden Stadium“, sagte May am Dienstag in einer Rede, in der sie das Unterhaus über den Stand der Verhandlungen informierte. „Wir müssen nun alle die Nerven behalten, um die Änderungen zu bekommen, die dieses Haus verlangt hat, und den Brexit fristgerecht liefern.“
Der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union ist für den 29. März geplant. Damit hat sie nur noch 45 Tage Zeit, um eine Einigung zu erzielen. Ansonsten droht dem Land ein „No Deal“-Brexit, also ein ungeordnetes Ausscheiden aus der EU mit wirtschaftlich potenziell katastrophalen Folgen.
May informierte die Abgeordneten am Dienstag, einen Tag früher als ursprünglich geplant. Für Donnerstag sind Abstimmungen geplant, bei denen Abgeordnete May Auflagen für die Verhandlungen geben wollen, um solch einen „No Deal“ zu verhindern.
„Unser Land steht vor der größten Krise seit einer Generation und die Premierministerin lässt einfach fahrlässig die Zeit auslaufen“, sagte Labour-Chef Jeremy Corbyn. Die konservative Vorsitzende im Unterhaus, Andrea Leadsom, wies solche Vorwürfe zurück. Die Regierung werde ein neues Abkommen zur Abstimmung bringen, sobald es eine Lösung gebe zum Backstop, der offenen Grenze zwischen dem britischen Nordirland und EU-Mitgliedsstaat Irland. Die Klausel sieht vor, dass Großbritannien so lange in einer Zollunion mit der EU bleibt, bis eine dauerhafte Grenzlösung gefunden wird. EU-Unterhändler Michel Barnier machte indes klar, dass London einlenken müsse, wenn es einen geordneten Brexit wolle.
