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NWZonline.de Nachrichten Politik Hintergrund

Alliierte Militärgerichte verurteilten Haupttäter

22.10.2019

Marburg /Hamburg Der Strafprozess gegen einen ehemaligen Wachmann des Konzentrationslagers Stutthof bei Danzig hat einmal mehr die Frage aufgeworfen, warum es in Deutschland so lange gedauert hat, bis NS-Verbrecher vor Gericht gestellt wurden. Wie gingen die Alliierten mit den Nazi-Verbrechern um? Eine Zusammenfassung.

Zunächst einmal gab es den Prozess gegen die 24 Hauptkriegsverbrecher um Hermann Göring und Rüstungsminister Albert Speer, die vor dem Internationalen Militärgerichtshof in Nürnberg angeklagt und verurteilt wurden (1945/1946). Es gab noch zwölf weitere Prozesse in Nürnberg (Nürnberger Nachfolgeprozesse, 1946-1949), in denen einzelne Komplexe der Nazi-Herrschaft abgeurteilt wurden (zum Beispiel gegen am Krankenmord beteiligte Ärzte). Angeklagt waren 185 Funktionsträger des Nazi-Regimes, darunter KZ-Ärzte, SS-Funktionäre, Militärs, Industrielle und hohe Beamte. 24 Angeklagte wurden zum Tode verurteilt (in zwölf Fällen vollstreckt), 20 zu lebenslanger Haft und 87 zu zeitlichen Freiheitsstrafen verurteilt. 35 wurden freigesprochen.

US-Besatzungszone

Eine ganze Reihe von Prozessen vor US-amerikanischen Militärgerichten fand von 1945 bis 1948 in Dachau statt. Es waren keine Prozesse gegen Hauptkriegsverbrecher und auch keine Verfahren, die unter das Kontrollratsgesetz Nr. 10 (Nürnberger Prozesse und Nürnberger Nachfolgeprozesse) fielen. Angeklagt waren in Dachau Kriegsverbrechen (Täter und Opfer mussten unterschiedlicher Nationalität sein, es musste internationales Recht verletzt sein und die Taten mussten im Zusammenhang mit dem Krieg stehen). In Dachau mussten sich 1672 Angeklagte verantworten. Es waren 489 Verfahren, es gab 1416 Verurteilungen, darunter 426 Todesstrafen und 256 Freisprüche.

Britische Zone

In der britischen Besatzungszone gab es zwischen 1945 (17. September) und Ende 1949 mehr als 250 Kriegsverbrecherprozesse vor britischen Militärgerichten. 900 Personen waren angeklagt. Weitere Prozesse gab es vor britischen Militärgerichten in Österreich, Norwegen, Italien oder den Niederlanden. Von den 900 Angeklagten vor britischen Militärgerichten waren zehn Prozent Frauen und 90 Prozent Männer. Ein Fünftel wurde zum Tode verurteilt, die Hälfte wurde zu zeitlichen Freiheitsstrafen verurteilt, ein Viertel freigesprochen. Das bekannteste Verfahren war der Prozess gegen 45 KZ-Wachleute des Lagers Bergen-Belsen, der am 17. September 1945 begann. Insgesamt verhängten die britischen Militärgerichte 240 Todesstrafen und 447 Haftstrafen.

Französische Zone

Frankreich nahm unter den Siegermächten des Zweiten Weltkriegs eine Sonderstellung ein. Es gab Militärtribunale in Frankreich (für auf französischem Boden begangene Verbrechen) und für die in Deutschland begangenen Verbrechen gab es den Tribunal Général in Rastatt. Allein vor französischen Gerichten in der französischen Besatzungszone mussten sich von 1945 bis 1953 mehr als 2100 Personen verantworten. Es gibt bislang nur vorläufige Auswertungen. Danach wurden 2107 Personen verurteilt, davon 104 zum Tode. Vor Militärgerichten in Frankreich und Nord-Afrika wurden 1918 Deutsche verurteilt.

Sowjetische Zone

Auch die Sowjetunion verfolgte Kriegsverbrecher. Der erste Prozess gegen Nazi-Kriegsverbrecher fand sogar schon im Dezember 1943 in Charkow/Ukraine statt. Das nationale Strafverfolgungsprogramm gegen Nazi-Kriegsverbrecher richtete sich freilich bald auch gegen Personen, die als „Feinde der neuen Ordnung“ galten. Vor speziellen Tribunalen wurden von 1945 bis 1955 (faktisch bis 1953) 35 000 Urteile gefällt.

Hans Begerow Leitung / Politik/Region
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