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NWZonline.de Nachrichten Politik Hintergrund

Mauerfall unterbrach Vereinsdebatte im Bundestag

09.11.2015

Bonn /Berlin Als die Mauer am 9. November 1989 in Berlin fiel, tagten die Bundestagsabgeordneten in Bonn, wo der Bundestag seit Gründung der Bundesrepublik seinen Sitz hatte. Auf der Tagesordnung stand das Thema „Verbesserung und Vereinfachung der Vereinsbesteuerung“. Gegen 20 Uhr wurde die Nachricht aus Berlin im Plenarsaal bekannt, minutenlanger Beifall war die Reaktion der Parlamentarier.

Unter ihnen war auch der damalige SPD-Bundestagsabgeordnete Günter Graf (Friesoythe). „Die Sitzung wurde unterbrochen. Ein Moment der Stille – dann brach der Jubel los“, erinnert sich der heute 74-Jährige. Im Plenum sangen die Bundestagsabgeordneten die Nationalhymne. „Wir haben uns vor die Fernseher gesetzt, um mehr zu erfahren. Ein halbes Jahr zuvor hätte niemand damit gerechnet. Ein bewegender Tag – und gut, dass es so gekommen ist“, sagt Graf, der mittlerweile in Dötlingen lebt. Zu dem von Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) damals vorgelegten Zehn-Punkte-Plan für die Wiedervereinigung hat Graf zwei Anmerkungen: Die Sozialdemokraten hatten damals Vorbehalte gegen die rasche Einführung der DM und die Entscheidung zu Vermögensfragen („Rückgabe geht vor Entschädigung“). „Die wirtschaftliche Entwicklung wäre schneller vorangegangen, wenn man entschädigt hätte. Aber wir Sozialdemokraten haben das nicht laut gesagt, sonst hätte es geheißen: Die Sozis sind gegen die Wiedervereinigung.“

Ganz anders sieht es der frühere Bundestagsabgeordnete Günther Bredehorn (FDP) aus Bockhorn. „Auf der Straße wurde skandiert: Entweder kommt die DM, oder wir kommen zur DM“, erinnert sich der 79-Jährige an die Diskussion. „Man muss die Situation sehen. Wir haben den Moment der Geschichte am Schopf gepackt. Die friedliche Wiedervereinigung war etwas Großartiges, Einmaliges.“ Die Bundestagsdebatte am 9. November 1989 verfolgte Bredehorn am Abend in seinem Büro, gleich gegenüber dem „Wasserwerk“. Er rannte in den Plenarsaal, als der damalige Vizepräsident die Sitzung unterbrach. „Ich war glücklich, dass ich ein klein wenig mitgestalten durfte“, sagt Bredehorn im Rückblick.

Auch der damalige Finanzstaatssekretär Manfred Carstens (CDU) aus Emstek war nicht im Plenarsaal, als die Nachricht vom Mauerfall die Parlamentarier erreichte. Gänsehaut überkommt den 72-Jährigen, wenn er an die Glücksstimmung der denkwürdigen Stunde denkt: „Wir haben das Deutschland-Lied angestimmt, das war ergreifend.“ Im Finanzministerium wurden bald darauf die Überlegungen zur Vereinheitlichung der Währung geschmiedet, die Carstens nach wie vor für die einzig richtige Entscheidung hält. Kritisch sah er den Wechsel des Regierungssitzes nach Berlin. „Aber mittlerweile habe ich das akzeptiert.“

Dem Bundestag 1989 gehörte auch Marieluise Beck (63) aus Bremen an, noch heute Bundestagsabgeordnete der Grünen. „Wir tagten im Übergangsplenarsaal, dem Wasserwerk, und mitten in der Debatte gab es zunächst ein Raunen unter den Abgeordneten. Und dann wurde klar, dass tatsächlich die Mauer gefallen war. Daraufhin stimmten einige Abgeordnete das Deutschland-Lied an: Musikalisch kläglich, aber es kam von Herzen. Die Grünen waren sich unsicher, ob man da nun mitsingen durfte oder nicht“, erinnert sich Beck. Die rasche Einführung der D-Mark sei ökonomisch schwierig, aber unausweichlich gewesen, sagt die Grünen-Abgeordnete. „Wer hätte im Osten weiterhin mit der DDR-Mark gehandelt?“ Richtig sei auch der Wechsel des Regierungssitzes nach Berlin gewesen. Ohne den Umzug hätte sich Westdeutschland schwerer getan, den Osten zu verstehen.

Hans Begerow
Leitung
Politik/Region
Tel:
0441 9988 2091

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