London - Die britische Premierministerin Theresa May hat das Rennen gewonnen, als erste ausländische Regierungschefin den US-Präsidenten Donald Trump in Washington zu treffen. Britische Beamte hoffen, dass die zweitägige Reise, zu der am Freitag ein Treffen mit Trump im Weißen Haus gehört, dabei hilft, den Platz Großbritanniens als wichtigster Verbündeter der USA zu zementieren.

Es geht auch darum, Beweise für etwas zu liefern, das Briten – häufiger als Amerikaner – als transatlantische „Sonderbeziehung“ bezeichnen. May steht aber vor der Herausforderung, einen Präsidenten, der versprochen hat, Amerika an die erste Stelle zu stellen, von den Vorteilen eines freien Handels mit Großbritannien und der wichtigen Rolle der Nato zu überzeugen.

Zudem muss sie ein Arbeitsverhältnis mit einem Präsidenten aufbauen, dessen protektionistische Einstellung und lockerer Umgang mit Fakten viele europäische Politiker alarmiert haben, darunter einige von Mays eigenen Verbündeten. May besteht darauf, dass sie der Aufgabe gewachsen sei, Amerikas standhafte, aber Klartext redende Freundin zu sein. Sie sagte britischen Abgeordneten: „Ich habe keine Angst, offen mit einem Präsidenten der Vereinigten Staaten zu sprechen.“ May will darauf dringen, dass die beiden Nationen „gemeinsam führen“.

Als May fast schon im Flieger war, legte Trump einen weiteren Fallstrick für seinen Gast aus. Er sprach im TV-Interview offen über Folter. In Großbritannien kamen postwendend Forderungen an May auf, ihm klarzumachen, dass das nicht gehe. Wie solle etwa ein Terrorist, der mit Hilfe von Folter von US-Geheimdienstlern verhört wurde, in Großbritannien vor Gericht gestellt werden – die Beweise wären nicht brauchbar.

Ihre scheinbar warme Haltung gegenüber Trump rief Kritik von den Gegnern der Premierministerin aber auch hervor. Der ehemalige Labour-Parteichef Ed Miliband twitterte: „Heute beginnt er mit Mauer, lobt Waterboarding, schikaniert Klimaforscher. Sie sagt, sie könnten gemeinsam führen. Sicherlich fühlen sich anständige Tories unwohl?“

Indem das Vereinigte Königreich die EU verlässt, bekommt es die Gelegenheit, neue Handelsabkommen zu erzielen. Die USA sind dabei als wichtigstes Ziel britischer Exporte einer der größten Preise, die es zu gewinnen gibt. Während Obama gewarnt hatte, dass sich Großbritannien als Nicht-Mitglied der EU für ein Handelsabkommen mit den USA hinten anstellen müsste, sagte Trump der „Times of London“, dass ein solches Abkommen schnell geschafft werden könnte.

Jegliche Gespräche zum Thema in dieser Woche in Washington zwischen May und Trump werden aber vorläufiger Natur sein. Großbritannien darf schließlich nach EU-Regeln keine bedeutenden Verhandlungen über neue Handelsabkommen führen, bis es tatsächlich das Staatenbündnis verlässt. Dies wird wahrscheinlich frühestens 2019 der Fall sein.