Berlin - Aus der Öffentlichkeit ist Aids seit langem verschwunden. Dabei leben in Deutschland rund 14 000 Menschen mit dem Virus, ohne es zu wissen. Insgesamt sind deutschlandweit rund 80 000 Menschen betroffen.

Eine Infektion mit dem Humanen Immunschwächevirus (HIV) ist die Ursache für Aids. Wenn das Virus den Körper so sehr schwächt, dass es dem Immunsystem schwerfällt, Infektionen zu bekämpfen, spricht man von Aids. Dann treten lebensbedrohliche Erkrankungen auf, etwa schwere Infektionen oder Tumore, die charakteristisch für eine fortgeschrittene HIV-Erkrankung sind. In der Medizin gilt: Wer weniger als 200 Helferzellen pro Mikroliter Blut aufweist, bei dem besteht ein hohes Risiko für die Krankheiten, die Aids definieren. Die Infektion kann über Monate unauffällig verlaufen und noch nach Jahren in Aids übergehen.

Die Medizin ist gegen Virus und Krankheit nicht mehr völlig machtlos. Es gibt seit Mitte der 90er Jahre wirksame Medikamente, die das Virus an der Vermehrung hindern. Meistens werden Infizierte mit einer Kombination aus drei Wirkstoffen behandelt. Die Patienten müssen die teuren Medikamente jedoch lebenslang nehmen. Heutige Medikamente haben deutlich weniger schwere Nebenwirkungen und Langzeitschäden als noch in den 90er Jahren. Bei konsequenter Therapie können HIV-Infizierte in Ländern wie Deutschland ein normales Alter erreichen.

Nein. Experten machen sich vor allem über Osteuropa Sorgen. Dort nimmt die Zahl der HIV- und Aids-Fälle besonders stark zu, wie der Osteuropa-Fachmann der Aids-Hilfe, Ludger Schmidt, sagt. Weil etwa in Russland stigmatisierte Gruppen wie Homosexuelle und Drogensüchtige ausgeschlossen würden, trauten sich viele nicht, professionelle Hilfe zu suchen.

Vergleichsweise gut. Deutschland ist eines der Länder mit der geringsten Rate von HIV und Aids. Nach einer Modellrechnung des Robert Koch-Instituts haben sich in Deutschland 2013 rund 3200 Menschen mit HIV infiziert – davon etwa 2700 Männer.