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NWZonline.de Nachrichten Politik Hintergrund

Landtag: Merkel-Effekt schlägt Schulz-Effekt

09.05.2017

Kiel /Berlin Es ist Merkels Mantra: „Eine Landtagswahl ist eine Landtagswahl.“ Keinesfalls will die Kanzlerin und CDU-Vorsitzende diesen für ihre Partei so überaus schönen Wahlsonntag in Schleswig-Holstein als Hinweis auf einen Sieg der Union auch bei der Bundestagswahl im September werten. Und sie verliert am Montag in der CDU-Zentrale in Berlin auch kein schlechtes Wort über ihren Herausforderer von der SPD, Martin Schulz.

Während viele Christdemokraten die Schlappen der Sozialdemokraten bei den Wahlen im Saarland und nun im Norden teils hämisch kommentieren, bleibt Merkel zurückhaltend: „Jeder Herausforderer ist eine Aufgabe, mit der ich mich respektvoll auseinandersetze.“ Weniger geht kaum.

Sie lobt den bis dato bundesweit unbekannten Daniel Günther. Der Senkrechtstarter hat jetzt ein Alleinstellungsmerkmal in der Union. Er könnte mit seinem überraschenden Wahlsieg erstmals seit Merkels Amtsantritt als Kanzlerin 2005 die Macht eines SPD-Ministerpräsidenten brechen, wenn er eine Koalition mit Grünen und FDP zustande bringt.

Kritisierte Kanzlerin

„Der Sieg gilt erst einmal Daniel Günther“, sagt Merkel und schmälert ihre Rolle derart, dass der 43-Jährige sogleich betont: „Es hat natürlich auch einen Merkel-Effekt gegeben in Schleswig-Holstein. Ich bin froh, sie an meiner Seite gehabt zu haben.“

Was wurde der 62-Jährigen von der SPD, von Medien, aber auch in der Union nicht alles vorgehalten, als Schulz im Frühjahr ins Rennen um die Kanzlerschaft einstieg und die Mengen begeisterte. Weil sich Merkel erst einmal so gut wie gar nicht bewegte, hieß es, sie kämpfe nicht.

Und nun? Viele in der Union stellen fast verwundert fest, dass der mit Entsetzen verfolgte Aufschwung der SPD im Bund nicht an der Saar und an der See ankam.

„Wir sind heute Morgen nicht fröhlich“, setzt Martin Schulz am Montag in Berlin an. Die Vorzeichen haben sich gedreht. Die SPD sei „in einer schwierigen Lage“, werde aber weiter kämpfen, sagt Schulz. Frust im Willy-Brandt-Haus, versteinerte Mienen am Tag nach der großen Wahlschlappe. „Es gibt manchmal Momente im Leben, wo der Beifall wie warmer Regen ist”, versucht Schulz ein Lächeln, bedankt sich für den Applaus. Torsten Albig, der gescheiterte Ministerpräsident aus Kiel, bekommt den obligatorischen Blumenstrauß eher pflichtschuldig in die Hand gedrückt.

Abhaken, Blick nach vorn. Kanzlerkandidat Schulz sagt, es sei immer eine Tugend der Sozialdemokratie gewesen, in guten wie in schlechten Zeiten zusammenzustehen. Die Botschaft: Die Genossen sollten jetzt nicht die Nerven verlieren. Dann zieht sich die Parteispitze zurück zum Scherbengericht.

Hinter verschlossenen Türen geht es zur Sache. Albig habe schwere Fehler gemacht, etwa sein „Bunte“-Interview, in dem er beklagt hatte, seine Frau, von der er sich kürzlich getrennt hatte, sei so in ihrer Rolle als Hausfrau und Mutter gefangen, dass er sich mit ihr nicht mehr auf Augenhöhe unterhalten könne. „Ein kapitaler Bock“, heißt es in der SPD-Spitze. Im Wahlkampf sei es dann oft nur noch um Albigs Privatleben gegangen. Bei den Frauen habe es die größten Verluste gegeben.

Kurskorrektur

Ralf Stegner, SPD-Chef in Kiel, wird nicht müde zu betonen, dass es nicht an Schulz gelegen habe. „Etwas billig“, nennt es hingegen CDU-Präsidiums-Mitglied Jens Spahn, „wenn alle nun Herrn Albig die Schuld in die Schuhe schieben, um Herrn Schulz zu schonen.“

Der riss am Montag schon mal das Ruder herum und kündigte vor Wirtschaftsvertretern einen Kurs der ökonomischen Vernunft an. Noch im März war Schulz davon ausgegangen, dass die Wahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen ungefährdete Siege für seine Partei bringen würden. Bei einem Machtverlust auch in Düsseldorf am kommenden Sonntag könnte er seine Hoffnungen auf das Kanzleramt vielleicht schon beerdigen.

Rasmus Buchsteiner Korrespondentenbüro Berlin
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