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NWZonline.de Nachrichten Politik Hintergrund

STASI: Mielkes Männer wollten alles wissen

06.02.2007

BERLIN Die meisten Ostdeutschen seien Opfer gewesen, so Köhler. Sein Besuch gilt als Signal gegen einen Schlussstrich.

Von Rasmus Buchsteiner,

Redaktion Berlin BERLIN - Horst Köhler blättert. Gelbe Karteikarten mit dem aufgedruckten Kürzel „F16“ laufen durch seine Hände, jede einzelne trägt eine Registriernummer, verweist so auf eine Person – Opfer, Spitzel, Offiziere. Der Bundespräsident im Archiv der Birthler-Behörde in der früheren Zentrale der DDR-Staatssicherheit an der Berliner Normannenstraße: Auch über ihn gibt es Informationen auf einigen der 5,4 Millionen Karteikarten im zweiten Stock des riesigen Gebäudekomplexes. Köhler war Anfang der Achtzigerjahre als enger Mitarbeiter des damaligen Bundesfinanzministers Gerhard Stoltenberg bei einer Leipzig-Reise ins Visier der Stasi geraten.

„Viel Banales“ habe in seiner Akte gestanden, die er bereits gelesen habe, sagt Köhler. Sein Besuch stärkt auch Marianne Birthler den Rücken, der Chefin der Stasi-Unterlagenbehörde. Umso mehr angesichts der Debatte um die Zukunft der Akten und der Aufregung um von der Behörde beschäftigte frühere Stasi-Mitarbeiter.

Köhler lässt sich durch die Archivsäle führen, stellt Fragen, hört zu. Schreibtisch und Amtszimmer von Stasi-Chef Erich Mielke sind noch erhalten – als Attraktion für geschichtsinteressierte Touristen. „Das Thema Stasi ist zurzeit wieder in aller Munde“, erläutert Birthler. Die Zahl der Anträge auf Akteneinsicht sei 2006 auf 97 000 gestiegen, 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Woran das liege, will Köhler wissen, während er vor den klobigen Archivschränken steht. „Verschiedene Gründe“, antwortet die Behörden-Chefin. Viele würden wohl auch deshalb erst jetzt ihre Akten einsehen, weil sie einen gewissen zeitlichen „Sicherheitsabstand“ gebraucht hätten

Später fordert Köhler, bei der Diskussion über die Zukunft der Akten besonders auf die Mitarbeiter der Behörde zu hören. „Die Aufarbeitung der SED-Diktatur ist wichtig und noch nicht beendet“, mahnt der Präsident. Er blättert in einer roten Mappe mit von der Stasi abgefangenen Briefen. „Genossen, wir müssen alles wissen“, erinnert Birthler an einen Satz Mielkes. Die perfide Sammelwut der Spitzel, die systematische Beobachtung – „viel Gutes, in Anführungszeichen“ lasse sich in den Akten finden, um gerade der jungen Generation Wissen über das Leben in einer Diktatur zu vermitteln, meint Köhler.

Dass es in den westdeutschen Bundesländern kaum Bildungsangebot zu DDR-Themen gebe, wie ihm erläutert wird, überrascht den Gast. Sein Plädoyer: Alle Möglichkeiten nutzen, als Beitrag zur „Stärkung der Demokratie“. Ihm ist daran gelegen, mit Vorurteilen aufzuräumen. Es sei keinesfalls so gewesen, „dass in der DDR alle Menschen Spitzel waren“. Die meisten seien Opfer gewesen. Diese Menschen sollten nicht vergessen werden, mahnt Köhler. Die Beschlüsse der Großen Koalition für eine Opferrente seien denn auch „ein Schritt in die richtige Richtung“. Er halte die Arbeit der Behörde für wichtig. „Ein Signal gegen jeden Schlussstrich“ habe Köhler gegeben, sagt Birthler.

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