Berlin - „Nach internationalen Einsätzen kommen andere Menschen zurück in ihre Familien.“ Franz-Josef Overbeck macht sich als Katholischer Militärbischof für die Bundeswehr große Sorgen um die Soldaten. „Wir erleben zunehmend posttraumatische Störungen“, bestätigt Militärgeneralvikar Wolfgang Wakenhut.

Das Erlebte führe bei manchen Betroffenen „zu einer gewissen Brutalisierung“. Beide Geistliche fordern den Bundestag dringend auf, „darüber nachzudenken und eine Debatte über globale Einsätze zu führen“.

„Die Folgen von Gewalt verändern Menschen“, erkennt Overbeck in seelsorgerischen Gesprächen mit Soldaten. In Afghanistan würden neben den Kämpfen auch das Erleben fremder Kulturen, das Fehlen jeder Privatheit und der Kontakt zur Heimat nur über das Internet Spuren hinterlassen. Mancher Soldat komme bereits auf anderthalb Jahre im Afghanistan-Einsatz. Overbeck: „Das prägt familiäre Beziehungen und führt zu Spannungen in der Partnerschaft.“ Besonders tragisch: „Viele Ehen werden beendet, während die Soldaten noch im Einsatz sind“, berichtet der Essener Bischof, der auch befürchtet, „dass wir das ganze Ausmaß der Folgen für Soldaten vielleicht erst in ein paar Jahren erleben werden“.

Der Militärgeneralvikar sieht noch einen weiteren belastenden Faktor, der psychisch nicht einfach zu verarbeiten sei. „Vor dem Abflug nach Hause befindet sich noch mancher Soldat in tagelangen Gefechten“, erzählt Wakenhut: „Und dann landet man in Köln – und alles ist vorbei?“ Solche emotionalen Wechselbäder überforderten Betroffene.

Die Geistlichen wünschen sich mehr Gespräche von Politikern mit den Angehörigen der Bundeswehr. Immer wieder würde den Seelsorgern die Frage gestellt, warum die Bundeswehr überhaupt globale Verantwortung tragen müsse. „Viele verstehen es einfach nicht“, sagt Overbeck. Dazu kämen Probleme im Zuge der Bundeswehr-Reform, die weitere Konflikte schaffe. Die Belastungen für „Ehe und Familie“ würden einfach immer größer.