Rom/Oldenburg - Als am Mittwochabend der weiße Rauch über der Sixtinischen Kapelle aufsteigt, sitzt Albert Lüken an seinem Schreibtisch und lernt. „Parallel habe ich via Livestream das Geschehen verfolgt. Als dann klar war, dass es weißer Rauch ist, habe ich die Beine in die Hand genommen und mich auf den Weg zum Petersplatz gemacht“, erzählt Lüken, der an der päpstlichen Universität Gregoriana studiert.

Er rannte zur letzten U-Bahn, die zum Platz fährt. „Die war natürlich total überfüllt“, sagt der 26-Jährige. Gemeinsam mit einigen Kommilitonen folgte Lüken, der aus Barßel im Landkreis Cloppenburg stammt, in einer Nebenstraße einer italienischen Militärkapelle und gelangte auf den Petersplatz. „Als dann verkündet wurde, wer Papst geworden ist, schaute ich meine Kommilitonen fragend an. Ich kannte ihn nicht, und den Menschen um uns rum ging es ähnlich“, erinnert sich Lüken. „Wir versuchten im Internet mehr über ihn herauszufinden, aber das Netz auf dem Petersplatz war völlig zusammengebrochen. Ich hätte auch gern getwittert, aber das ging alles nicht.“

Dann trat Jorge Mario Bergoglio auf den Balkon und sprach zu den Gläubigen. „Ich dachte: Mensch, der ist wirklich bürgerlich und volksnah. Vor allem, dass er um einen Segen für sich bat, fand ich beeindruckend. Das hatte vorher noch kein Papst gemacht“, sagt Lüken, der links neben dem Obelisken auf dem Petersplatz stand, und so das Geschehen beobachtete.

„Später trafen wir einige Studenten und einen Professor meiner Uni, die erzählten, dass er Jesuit sei. Das hat mich überrascht.“ Sowohl das Haus in dem Lüken lebt, als auch seine Universität wird von Jesuiten geführt: „Da herrschte heute Morgen ein Gefühl der positiven Überraschung. Sie waren vielleicht ein wenig überrumpelt. Hier hatte ihn niemand auf dem Zettel“, erzählt der angehende Priester. Auch in Rom, erlebt Lüken am Tag eins nach der Wahl eine ausgelassene Stimmung: „Die Spannung ist weg und es hat den Richtigen getroffen“, sagt Albert Lüken. „Er fuhr mit den Kardinälen im Bus zurück, und brach damit bereits kurz nach der Wahl mit dem Zeremoniellen.“

Besonders beeindruckend findet der 26-Jährige auch, dass Franziskus als Jesuit den Namen eines anderen großen Ordensgründers, dem des Franziskaner-Ordens, angenommen hat. „Ich glaube, mit dem Namen hat er eine neue Tradition begründet.“