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NWZonline.de Nachrichten Politik Hintergrund

Weltklimarat legt dramatischen Report vor

26.09.2019

Monaco Der menschengemachte Klimawandel hat auf die Eisschmelze und die Ozeane größere Auswirkungen als bisher angenommen. Bis 2100 könnte der Meeresspiegel um bis zu rund einen Meter steigen, falls nicht mehr Klimaschutz betrieben wird. Das geht aus einem Report des Weltklimarates (IPCC) zu den Folgen der Erderhitzung auf Ozeane und Eismassen hervor, der am Mittwoch in Monaco veröffentlicht wurde. Zuvor war der IPCC von einem Anstieg um bis zu 82 Zentimeter von 1901 bis 2100 ausgegangen. Die neue Prognose bedeutet auch, dass Sturmfluten entsprechend höher werden. Bestimmte Küsten könnten unwiederbringlich verloren gehen.

Hauptgrund für den Anstieg: Die Eisschmelze in der Antarktis und Grönland beschleunigt sich stärker als zuvor berechnet. Der Meeresspiegel steigt laut IPCC derzeit um 3,6 Millimeter pro Jahr und damit mehr als zweimal so schnell wie im Schnitt des vergangenen Jahrhunderts. Insbesondere in den Tropen könne der Meeresspiegel zusammen mit Wirbelstürmen die Zerstörungen verschärfen.

Skifahren bald passé?

In Deutschland sind vor allem die Alpen betroffen: Die Gletscher in den Gebirgen von Mitteleuropa und anderen Regionen werden bis 2100 ohne stärkeren Klimaschutz im Schnitt 80 Prozent ihrer Eismasse verlieren. Viele sind dem IPCC zufolge selbst mit besten Klimaschutzbemühungen nicht mehr zu retten.

Ist Skifahren bald passé? „Dort, wo ich aufgewachsen bin, hatte früher jedes Dorf einen Skilift und heute gibt es dort selten mehr als fünf Tage Schnee pro Jahr“, berichtet Glaziologe Matthias Huss von der ETH Zürich. Man sehe heute schon die Verschiebung der Skigebiete in mittlere und höhere Höhenlagen.

Seit den 80er Jahren gebe es einen anhaltenden, sich sogar beschleunigenden Verlust der Gletscher in den Alpen, sagt Huss. Grundsätzlich könne man sagen, dass auch mit einer Erwärmung von 1,5 Grad und starkem Klimaschutz Veränderungen nicht zu vermeiden seien. „Aber sie wären einfach langsamer.“

Vor allem im Sommer sind Gletscher wichtig, denn sie speisen dann Flüsse mit ihrem Schmelzwasser. Das Abschmelzen kann sich daher auch auf den Pegelstand des Rheins auswirken. Und es gleicht einer Spirale: Wenn eine gewisse kritische Masse geschmolzen ist und schon relativ viel Steinmaterial freiliegt, schmelzen die Gletscher verstärkt, erläutert Matthias Bernhardt von der Universität für Bodenkultur in Wien. Das liege etwa daran, dass die Steine sich erwärmen.

Schleswig-Holstein gelobt

Während das Gletscherwasser unaufhaltsam in Meere fließt, hat Deutschland sich im Norden gegen den Meeresspiegelanstieg recht gut gewappnet und viel Geld in den Deichbau gesteckt. Für die Küste habe Deutschland gut vorgesorgt, insbesondere Schleswig-Holstein, sagt IPCC-Leitautorin Zita Sebesvari von der Universität der Vereinten Nationen in Bonn. Das Bundesland habe als eine der wenigen Regionen der Erde Klimadeiche gebaut. Die sind sehr breit, so dass sie später aufgestockt werden können. „Das ist ziemlich selten und wirklich innovativ“, lobt die Forscherin aus Ungarn. Für Wattenmeer und Halligen sehe es jedoch bereits 2050 eher schlecht aus. „Eine Begrenzung der Erderwärmung auf zwei Grad wäre für das Wattenmeer lebensnotwendig“, sagt Sebesvari.

Weltweit wird es laut IPCC-Bericht häufiger Sturmfluten und Überschwemmungen geben. „Ich habe nicht erwartet, dass diese Extremereignisse schon vor 2050 an so vielen Orten der Erde so häufig vorkommen“, sagt Sebesvari. Einiges, was bisher einmal in 100 Jahren geschah, werde vor 2050 jährlich vorkommen. Ursachen seien einerseits der Meeresspiegel, andererseits häufigere Wirbelstürme. Besonders gefährdet seien die pazifischen Inseln und die Westküste Mittelamerikas. „Mit dem jetzigen weltweiten Kurs können wir den Herausforderungen nicht begegnen“, betont sie.

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