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Geschichte Gorbatschow feiert 80. im Westen

Ulf Mauder

MOSKAU - Als einer der Väter der Deutschen Einheit hat sich der frühere Kremlchef Michail Gorbatschow seinen Platz in der Geschichte schon vor gut 20 Jahren gesichert. Doch vor seinem 80. Geburtstag am 2. März (Mittwoch) sorgt sich der vom Westen als Weltverbesserer gefeierte Friedensnobelpreisträger vor allem weiter um die Zukunft seiner Heimat Russland.

Scharf kritisiert der Ex-Sowjetpräsident die „selbstherrliche und undemokratische“ Führung des Landes unter Regierungschef Wladimir Putin. Er fordert eine Neuauflage seiner Politik von Glasnost (Offenheit) und Perestroika (Umgestaltung), die in den 1980er Jahren das Ende der kommunistischen Supermacht Sowjetunion einläutete. Gorbatschows Name steht bis heute auch für atomare Abrüstung, die er mit US-Präsident Ronald Reagan begonnen hatte.

Kritik an Putins System

Diese damals auch von den DDR-Bürgern glühend aufgenommene neue Linie Moskaus gilt als Durchbruch zu Freiheit und Demokratie, als Ende des Kalten Krieges zwischen Ost und West und als Weg zum Fall der Berliner Mauer.

Idealen stets treu geblieben

Doch in den Augen seiner Mitbürger ist Gorbatschow bis heute ein führungsschwacher Politiker ohne Machtinstinkt, der das Land mit schweren Fehlern in Chaos, Hunger und Armut gestürzt hatte.

Wenige Tage vor seinem 80. Geburtstag trat er – gestützt von Helfern – vor Journalisten in Moskau auf. Kremlchef Dmitri Medwedew und Putin zementierten zunehmend ihr Machtmonopol, das anderen politischen Kräften keine Luft zum Atmen lasse, sagte Gorbatschow. „Wir brauchen Demokratie. Ohne die wird es keine Modernisierung geben.“ Für ein solches Russland setzt sich auch die von ihm gegründete Gorbatschow-Stiftung in Moskau ein, die etwa ein Museum zur Wendezeit im Ostblock – auch in der DDR – beherbergt, sowie die von ihm mit herausgegebene kremlkritische Zeitung „Nowaja Gaseta“.

Die Kommentatoren des Blatts sehen Gorbatschow ebenfalls als Propheten, der im eigenen Land nichts zählt und dessen Stimme nicht mehr gehört wird. Dass er aber den „Sowjetbürger in sich selbst zerstörte“, ein totalitäres System demontierte und mit dem Aufbau einer Demokratie begann, sei eine unschätzbare historische Leistung, schreibt die Politologin Lilija Schewzowa in der Zeitung.

Bis Gorbatschow am 11. März 1985 zum Generalsekretär der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) gewählt wurde und mit seiner Frau Raissa der Politik auch ein menschliches Gesicht gab, hatten sich Kremlherrscher stets bis zum Tod an die Macht geklammert.

Wir hatten Glück mit ihm“

„Wir hatten Glück“

Als die Sowjetunion mit den 15 Mitgliedsstaaten vor 20 Jahren zerfiel, war das 1991 nach einem Putsch in Moskau und der Machtergreifung von Boris Jelzin schließlich auch sein Ende. „Gorbatschow hatte kein Glück mit uns. Aber wir hatten Glück mit ihm. Das ist die Wahrheit, die wir erst noch lernen müssen“, meint Schewzowa nachdenklich.

Wohl auch deshalb feiert Gorbatschow dort, wo er als Freiheitsheld der Geschichte verehrt wird: im Westen.

Mit seiner Politik

von Glasnost (Offenheit) und Perestroika (Umgestaltung) wollte Gorbatschow das marode System des Landes retten. Er brach auch mit zahlreichen Tabus.

In ungekannter Offenheit

benannte er die Verbrechen unter Sowjetdiktator Stalin, insbesondere das Massaker an Tausenden polnischen Offizieren 1940 in Katyn.

Den Ländern

des Warschauer Paktes ermöglichte Gorbatschow, ihre Staatsform selbst zu bestimmen. Zuvor waren Reformbewegungen in Prag und Budapest gescheitert.
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