MüNCHEN - Der 13. Juni 1886 war der Geburtstag eines Mysteriums: Es war der Todestag von Bayerns Märchenkönig. Ludwig II. starb mit nur 40 Jahren unter Umständen im Starnberger See, die bis heute ungeklärt sind. War es ein Unfall? Selbstmord? Oder gar Mord? Für jede dieser Theorien gibt es leidenschaftliche Verfechter. Die offizielle Version lautet schlicht: Ludwig II. ertrank kurz nach seiner Entmündigung wegen geistiger Umnachtung.
Das rätselhafte Ende passt zum sagenumwobenen Leben des Monarchen, der wie kein anderer zur bayerischen Ikone wurde und Touristen aus aller Welt auf seine Schlösser wie Neuschwanstein lockt. Die bayerische Landesausstellung Götterdämmerung im Schloss Herrenchiemsee zählte schon drei Wochen nach ihrer Eröffnung Mitte Mai mehr als 50 000 Besucher.
An Rolle zerbrochen
Die Klischees vom Märchenkönig haben vor allem zahlreiche Filme, Theaterstücke und Bücher geprägt: Ludwig II. war extravagant, egozentrisch und feingeistig und zerbrach letztlich an der Rolle, die seine Geburt ihm vorschrieb.
Der Historiker Rudolf Reiser vermutet zwar nicht den König, sondern einen italienischen Kammerdiener als Ludwigs Vater, die offizielle Version aber lautet so: Ludwig II. von Bayern wurde am 25. August 1845 in Schloss Nymphenburg in München geboren. Er war der älteste Sohn von König Maximilian II. und dessen Frau Marie von Preußen. Als Thronfolger des Hauses Wittelsbach kam er in den zweifelhaften Genuss einer sehr strengen Erziehung. Ludwig war kein glückliches Kind. Seine lebhafte Fantasie und sein Hang zum Einzelgängertum sind von früher Kindheit an bezeugt.
Der plötzliche Tod seines Vaters muss ein Schock gewesen sein in doppelter Hinsicht: Denn dessen Tod machte den attraktiven und umschwärmten Ludwig am 10. März 1864, mit nur 18 Jahren, zum jüngsten regierenden Fürsten Europas. Unerfahren wie er war, geriet er schnell in die Mühlen der Macht und in Konflikte mit Parlament und Regierung. Dass Politik ihn nicht interessierte, legen seine Fans gerne als Pazifismus aus. Ich bin überhaupt viel zu früh König geworden. Ich habe nicht genug gelernt, soll er dem Historienschriftsteller Felix Dahn gesagt haben.
Den Gegenpol zu dieser verhassten Welt fand Ludwig in der Musik vor allem in der Richard Wagners, den er fast wie einen Gott verehrte und den er vor dem finanziellen Ruin rettete, indem er ihn nach München holte. Dort ermöglichte er Wagner-Uraufführungen und hatte damit großen Anteil daran, dass München vorübergehend zu Europas Musikhauptstadt wurde.
Träumer und Tyrann
Immer öfter floh der als Naturfreund geltende König vor seinen höfischen Verpflichtungen aufs Land, wo er sich prächtige Schlösser bauen ließ und Bayern damit an den Rand des Ruins trieb. Das Volk bekam seinen König kaum noch zu Gesicht. Er galt als Träumer auf dem Thron und gleichzeitig als Tyrann, dessen Diener vor ihm kriechen mussten.
Vor allem um das Liebesleben des Königs ranken sich viele Gerüchte. War er schwul oder nicht ist eine Frage, die Fans und Wissenschaftler entzweit. Wasser auf die Mühlen derer, die von seiner Homosexualität ausgehen, ist seine Verlobung mit Sophie, einer Schwester der von ihm verehrten Sissi, im Jahr 1867. Ludwig löste die Verlobung, kurz bevor es ernst wurde.
Für die Selbstmordtheorie spricht, dass Ludwig II. schwer depressiv gewesen sein soll. Am 10. Juni 1886 wurde er entmündigt und in Schloss Berg am Starnberger See unter Hausarrest gestellt. Drei Tage später waren er und sein Psychiater, der ihn für verrückt erklärt hatte, tot.
