Berlin/Mainz - Zu dem Terroranschlag in Paris haben Salafisten und Rechtsextreme in Deutschland ihre ganz eigenen Meinungen. Konfrontationen sind zu befürchten.

Was sagen die deutschenMuslim-Verbände

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Die muslimischen Verbände in Deutschland haben das Attentat auf das französische Satiremagazin „Charlie Hebdo“ scharf verurteilt und vor einer gesellschaftlichen Spaltung gewarnt. Der terroristische Akt könne nicht mit dem Islam oder Religiosität begründet werden, sagte Bekir Alboga, Generalsekretär des Dachverbandes Ditib (Türkisch Islamische Union der Anstalt für Religion). Menschen, egal welchen Glaubens, dürften „nach solch bestialischem Terror nicht unter Generalverdacht stehen“. Der Vorsitzende des Islamrats für die Bundesrepublik Deutschland, Ali Kizilkaya, mahnte: „Das Attentat darf nicht von Erfolg gekrönt werden, indem es die Gesellschaft spaltet.“ Der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) rief für Montag zu Mahnwachen gegen Gewalt und für ein weltoffenes und tolerantes Deutschland auf.

Was könnten islamische Theologen nun tun

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Die meisten Migrationsforscher und Islamwissenschaftler begrüßen die jüngsten Anstrengungen, islamische Theologie auch an deutschen Universitäten zu lehren sowie einen von den Herkunftsländern der Migranten unabhängigen modernen islamischen Religionsunterricht an Schulen zu etablieren. Marwan Abou-Taam, Islamwissenschaftler beim Landeskriminalamt in Mainz, wünscht sich eine stärkere Argumentation orthodoxer sunnitischer Religionsgelehrter gegen den Salafismus.

Wie reagiert die Salafisten-Szene

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Die radikalislamische Salafisten-Szene hat sehr unterschiedlich auf den Terror reagiert. In Internet-Foren finden sich Kommentare wie „Na endlich rächt jemanden den Propheten“, aber auch krude Verschwörungstheorien wie „Das war der israelische Mossad“. Der deutsche Salafisten-Prediger Pierre Vogel hat eine nach Ansicht von Sicherheitsexperten besonders perfide Botschaft im Netz lanciert. Er hat die deutschen Muslime zwar aufgefordert, sich jetzt ruhig zu verhalten und „sich nicht provozieren zu lassen“. Begründet hat er dies jedoch damit, dass ansonsten angeblich Pogrome gegen Muslime zu befürchten wären.

Was fordern

rechtsextreme Gruppen

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Rechtsextreme werten diesen Anschlag als Bestätigung für ihre Warnungen vor den angeblichen Gefahren einer muslimischen Einwanderung. Die Partei Pro NRW will zum Beispiel die Ereignisse von Paris nach eigenen Worten zum Anlass nehmen, um „die überparteilichen islamkritischen Bündnisse in Nordrhein-Westfalen nach Vorbild der Dresdner Pegida mit aller Kraft zu unterstützen“.

Gehen nun Islamisten und

Rechte aufeinander los

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Dieses Risiko besteht schon längst, wobei die Polizei versucht, gewalttätige Konfrontationen zu verhindern. Der Salafist Murat K. hatte im Jahr 2012 bei einer Kundgebung von Pro NRW, auf der Mohammed-Karikaturen gezeigt worden waren, zwei Polizisten mit einem Messer verletzt. Möglicherweise wird das Risiko, das radikale Salafisten und Rechtsextreme die Konfrontation auf der Straße suchen, jetzt etwas ansteigen.