Nassau - Die Lahn ist nicht der Deutschen längster Fluss. Aber entlang des rund 245 Kilometer langen Wasserlaufs, der bei Koblenz in den Rhein mündet, wurde Geschichte geschrieben. Die „Emser Depesche“, die den deutsch-französischen Krieg von 1870/71 auslöste, hat ihren Ursprung im Kurort Bad Ems. Ein schlichter Gedenkstein an der Uferpromenade zeugt von der folgenschweren Begebenheit. Wenige Kilometer stromaufwärts finden sich Relikte aus früheren Tagen. Zum Beispiel Burg Nassau. Deren weithin sichtbarer Bergfried ragt oberhalb des gleichnamigen 5000-Einwohner-Ortes in die Höhe und verweist ins Königreich der Niederlande, das am Sonnabend mit den Feierlichkeiten zu seinem 200-jährigen Bestehen begann.
Der Stammbaum des regierenden Hauses „Oranien-Nassau“ reicht tatsächlich bis in das kleine Lahnstädtchen und weit in die Vergangenheit. Das verrät gleich die erste Zeile der niederländischen Nationalhymne: „Wilhelmus van Nassouwe ben ik, van duitsen bloed“ („Wilhelm von Nassau bin ich, von deutschem Blut“). Dieser Wilhelm von Nassau-Dillenburg, genannt „der Schweiger“, führte im 16. Jahrhundert den niederländischen Freiheitskampf gegen die Spanier an – und erbte zugleich von einem Vetter das Fürstentum Orange im Südosten Frankreichs. Der „Prinse van Oranje“ ist zweifelsohne einer der vielen markanten Köpfe, die das Geschlecht der Nassauer hervorbrachte. Graf Adolf von Nassau, von 1292 bis 1298 deutscher König, zählt ebenfalls dazu. Er ist Begründer der „walramischen Linie“, der die heutigen Großherzöge von Luxemburg entstammen.
Der Stammvater all dieser Grafen, Herzöge und Könige war offenbar ein gewisser Dudo. Außer zwei urkundlichen Erwähnungen 1093 und 1117 hinterließ der frühe Fürst freilich nur wenig greifbare Spuren.
Dudo residierte auf der ebenfalls noch erhaltenen Laurenburg, in der Nachbarschaft von Nassau. Dorthin zog es erst seine Söhne Ruprecht und Arnold nach längeren Streitereien mit den geistlichen Herren der Region. Wohl um 1120 legten sie den Grundstein für den Familiensitz in Nassau, um von dort rasch ihre Besitzungen im Westerwald und Taunus zu mehren. Zeitgleich verzeichnen die Chronisten erste zarte Bande in die Niederlande: Eine der beiden Bauherren, Ruprecht, ehelichte vor 1135 Beatrix von Limburg.
Mit Wilhelm von Nassau-Dillenburg, der bei den niederländischen Nachbarn als „Vater des Vaterlandes“ verehrt wird, wurde daraus eine letzten Endes bis heute andauernde Verbindung – wenn auch mit gewissen Unterbrechungen.
Einen Tiefpunkt bildete die Regentschaft von Wilhelm V. von Oranien. Der nach eigenem Eingeständnis überforderte Statthalter der Niederlande – „Der Kopf läuft mir über“ – quittierte 1795 sein Amt und überließ das Land den nach der Revolution vorwärts drängenden Franzosen. Doch keine zwei Jahrzehnte später, 1813, stand der nächste Oranier, Wilhelm Friedrich, parat, um die Macht wieder von den Besatzern zu übernehmen.
Mit dem Sohn des glücklosen Wilhelm V. beginnt die Geschichte des heutigen Königreichs.
