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Aktualisiert vor 25 Minuten.

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NWZonline.de Nachrichten Politik Hintergrund

Entführung endet mit Todesschüssen

26.07.2017

Oberursel Die Ermordung des Dresdner-Bank-Chefs Jürgen Ponto ist eigentlich eine gescheiterte Entführung. Ponto soll entführt und gegen die inhaftierten RAF-Mitglieder ausgetauscht werden, so der Plan der neuen RAF-Chefin Brigitte Mohnhaupt. Um sich in das Haus des Opfers einzuschleichen, bedienen sich die RAF-Terroristen eines perfiden Plans. Sie haben erfahren, dass Sympathisantin Susanne Albrecht im Haus der Pontos bekannt ist. Albrechts Schwester ist die Patentochter von Jürgen Ponto. Mit einem Blumenstrauß ausgestattet, klingeln drei junge Leute am 30. Juli 1977 an der Haustür der Familie Ponto in Oberursel. „Hier ist die Susanne“, sagt sie in die Gegensprechanlage. Susanne Albrecht (mit Rock und Blümchenbluse) hat sich angemeldet, sie wird von Brigitte Mohnhaupt (gelber Hosenanzug, gelbes Kopftuch) und Christian Klar (Feincordanzug und Krawatte) begleitet.

Während Ignes Ponto die Heckenrosen, die Susanne Albrecht mitgebracht hat, versorgen will, kommt es zum Handgemenge. Der großgewachsene Ponto fällt Klar in den Arm mit der Waffe, Klar schießt, Brigitte Mohnhaupt feuert fünfmal auf Ponto. Ponto wird von zwei Projektilen am Kopf getroffen und stirbt am Abend in einer Klinik. Die drei Täter fliehen, im Fluchtwagen ein weiterer Terrorist (Peter-Jürgen Boock), von dem noch zu reden ist. Den Transporter, in dem Ponto eigentlich in ein Versteck gebracht werden soll, steuert Willy Peter Stoll.

Versteck im Hochhaus

Die an der Tat Beteiligten treffen sich in einer Wohnung in Hattersheim. Es handelt sich um eine mehrgeschossige Wohnanlage. Von der Tiefgarage aus führt ein Fahrstuhl direkt in den achten Stock, wo alles vorbereitet ist, eine entführte Person aufzunehmen. Alles genau wie wenige Wochen später bei der Entführung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer. Die Gruppe beschließt, das Scheitern der Entführung für sich zu behalten. Susanne Albrecht darf mit niemandem über das Scheitern der Entführung sprechen.

Später trifft bei verschiedenen Medien ein Selbstbezichtigungsschreiben ein, das einzige, das namentlich unterzeichnet ist: Es soll rechtfertigen „den kampf, für den es keine gefängnisse gibt gegen das universum der kohle, in dem alles gefängnis ist.“ Unterschrift: Susanne Albrecht. Es ist ein einzigartiges Dokument, niemals in der 28-jährigen Geschichte der RAF hat ein Mitglied selbst ein schriftliches Geständnis abgelegt. Boock schildert später, dass Susanne Albrecht nach der Tat total aufgelöst war: „Nein, das habe ich nicht gewollt.“ Susanne Albrecht wird in der Öffentlichkeit als gefährlichste Terroristin dargestellt. Im Personenfahndungsraster der Polizei werden unter „Eigenarten“ notiert: „Nymphomanin, raucht Haschisch, trägt bevorzugt Jeans und Clogs.“ Zur Ergreifung tragen diese „Erkenntnisse“ freilich nicht bei. Susanne Albrecht bleibt bis 1990 wie vom Erdboden verschluckt.

In der Gruppe gehört sie indes zu den RAF-Mitgliedern, die zaudern und deshalb angefeindet werden von den Hardlinern wie Peter-Jürgen Boock: „Die Tanten konnte man kaum zum Brötchenholen schicken.“ Susanne Albrecht gehört wie Sigrid Sternebeck und Silke Maier-Witt zu den Terroristen der RAF, die 1980 in der DDR untertauchten. Unbemerkt vom Bundesnachrichtendienst, der sie mal im Jemen, dann im Libanon oder in Syrien vermutete, lebte Susanne Albrecht als Englischlehrerin in Köthen. Dort bekommt sie 1986 einen anonymen Brief, der sie alarmiert. Offenbar hat jemand auf Westreise ihr Fahndungsfoto gesehen. Die Familie zieht um nach Berlin, später nach Dresden. 1988 übersiedeln die Beckers ins russische Dubna, ein Kernforschungszentrum. Erst nach der Wende kommt ihre Vergangenheit heraus.

Mörder gefasst

Die Mörder von Jürgen Ponto werden 1982 gefasst. Im Mai 1982 geben die Terroristen in einem Papier zu, dass die Ermordung Pontos Folge einer missglückten Entführung war. Später, im Herbst, entdecken Pilzsammler in einem Wald bei Heusenstamm eine vergrabene Plastikkiste. Es sind RAF-Utensilien, darunter das Schnellfeuergewehr, mit dem bei der Schleyer-Entführung geschossen wurde. Es finden sich auch Skizzen und Wegbeschreibungen zu weiteren Erddepots. Elf Depots können die BKA-Beamten entschlüsseln. Sie werden auch überwacht. Am 11. November 1982 werden Brigitte Mohnhaupt und Adelheid Schulz bei dem Depot in Heusenstamm verhaftet. Fünf Tage später wird auch Christian Klar bei einem Depot bei Lübeck verhaftet. Mit Klars Festnahme ist die zweite Generation der RAF fast vollständig verhaftet.

Für die Ponto-Ermordung werden Brigitte Mohnhaupt, Christian Klar, Peter-Jürgen Boock und Susanne Albrecht verurteilt. Mit Ausnahme von Albrecht lautet das Urteil Lebenslänglich. Albrecht kommt 1991 durch die Kronzeugenregelung mit zwölf Jahren davon. Davon wird die Hälfte zur Bewährung ausgesetzt.

Nächster Teil: Anschlag auf die Bundesanwaltschaft


Sehen Sie die Tagesschau vom 31. Juli 1977 unter   www.bit.ly/tagesschau-ponto 
Hans Begerow Leitung / Politik/Region
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