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NWZonline.de Nachrichten Politik Hintergrund

Ohne D-Mark war der Ostdeutsche ein Zoni zweiter Klasse

20.06.2018

Oldenburg Kurz vor Toresschluss war die D-Mark doch noch eine echte Einheitswährung: Am 1. Juli 1990 wurde sie Zahlungsmittel in der DDR. Im Osten war das neue Geld nun das Symbol für die mögliche Teilhabe am Wohlstand des Westens.

1948 besiegelte die D-Mark jedoch die deutsche Spaltung. Mit ihr begann die getrennte ökonomische Entwicklung der beiden deutschen Staaten. Und doch: In der DDR war die D-Mark immer präsent. Sie war die zunächst inoffizielle und später sogar halboffizielle Parallelwährung des vermeintlichen „Arbeiter- und Bauern-Staates“. Daran änderte auch der Bau der Mauer im Jahre 1961 nichts, der nur dem blühenden Wechselstuben-Geschäft in Westberlin den Garaus machte. Doch in der DDR gab es immer einen Währungsschwarzmarkt, der ohne Büdchen auskam. Denn der offizielle Wechselkurs der Staatsbank war ein Witz. Die Kommunisten hielten von 1948 bis 1989 die Fiktion eines Wechselkurses von Ost- zu Westmark von eins zu eins aufrecht. Auf dem Schwarzmarkt musste man dagegen eher zehn Weichwährungsmark für eine D-Mark berappen.

Doch woher kam der trotz Abschottung nie unterbrochne D-Mark-Strom? Da war zunächst die Westverwandtschaft. Die meisten Onkels, Tanten und Geschwister hatten in den 70er Jahren dann auch verstanden, dass Zucker oder Mehl im Weihnachtspaket nicht mehr das Gelbe vom Ei waren – ein Zehn- oder Zwanzig-Markschein das Leben in der Zone aber erheblich erleichtern konnte.

Dienstreisende in den Westen sparten zudem oft ihre karge Auslöse, um sie zu Hause zu verwenden. Besonders staatsnahe Künstler durften ihre Gagen behalten, die sie für Auftritte oder Aufträge im Westen erhielten.

Mancher Ostdeutsche machte sogar eine Erbschaft im Westen. Das Geld konnte dann transferiert werden, und über die Firma „Genex“ war für Deutschmark West dann das Konsumparadies auch im Osten zugänglich.

Das alles führte dazu, dass sich auf Basis der D-Mark eine Schattenwirtschaft und eine Zweiklassengesellschaft entwickelte: hier die Westmark-Aristokratie, dort die armen Teufel, die nur Ostmark hatten, die Zonis zweiter Klasse. Das war auch täglich in den Schulen zu spüren. Mancher Schüler hatte Stück Westschokolade in der Brotbüchse. Die meisten mussten sich mit DDR-Ersatzschokolade begnügen. Zur Schüler-High-Society gehörte, wer mit Geha oder Pelikan-Füller aus dem DM-Laden „Intershop“ schrieb. Der Rest musste sich mit „Heiko“-Stiften aus eigener Produktion begnügen und konnte auch vom „Pirat“-Tintenkiller nur träumen.

Die D-Mark jedenfalls öffnete in der DDR alle Tore: In der zonalen Mangelwirtschaft bekam man dafür knappe Waren aller Art aus heimischer Produktion, wie etwa Autoersatzteile, Handwerkerdienstleistungen und auch den einen oder anderen Gefallen auf diesem oder jenem Amt. Wer D-Mark hatte, der lebte wie die Made im Speck – auch angesichts der Wechselkurse und extrem niedriger Preisen für Miete, Energie und Lebensmittel. So verdiente sich so mancher eine goldene Nase – insbesondere die noch selbstständigen Handwerker. Für den D-Mark-losen DDR-Bürger hatte das üble Folgen: Knappe Güter wurden nämlich noch knapper, da sie für Westmark verscherbelt wurden und für den Ostmark-Zahler nichts mehr übrig blieb.

In den Kleinanzeigenspalten war die Westmark auch allgegenwärtig: Wer da etwa einen Trabbi-Vergaser gegen „blaue Fliesen“ tauschen wollte, suchte kein Baumaterial. Damit war schlicht harte Währung gemeint.

Solche Demütigungen setzten sich für Zoni zweiter Klasse im Urlaub fort: In Ungarn etwa merkte er, dass der Wessi mit seiner D-Mark immer bevorzugt wurde – auch wenn er sich wie die Axt im Walde benahm. Das traf übrigens auch auf seine D-Mark-gestopften Landsleute zu, die sich in der Regel alle Mühe gaben, nicht als Ostdeutsche aufzufallen.

Seit 1974 war es DDR-Bürgern offiziell erlaubt, D-Mark zu besitzen, allerdings hatte sich bereits vorher niemand um dieses Verbot geschert. Die Kommunisten begannen, die D-Mark-Bestände abzuschöpfen: Nun durften sich auch Einheimische in den „Intershops“, Läden in denen Westwaren oder knappe Ostprodukte für Valuta verkauft wurden, versorgen.

Es war nicht zuletzt eben diese, allen sozialistischen Lippenbekenntnissen Hohn sprechende, Privilegierung von D-Mark-Besitzern, die über die Jahre hinweg die Wut auf das Regime anfachte. Das Resultat war dann die D-Mark für alle – was jedoch nicht automatisch das große Glück für alle bedeutete.

Dr. Alexander Will Leiter Newsdesk / Politikredaktion
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