OLDENBURG - Uwe Seeler ist in jeder Hinsicht ein Vorbild: Sportlich einer der Besten, beruflich einer der Zuverlässigsten, menschlich einer der Aufrichtigsten. Er ist immer pünktlich, hilfsbereit und steht zu seinem Wort. Lange Jahre standen wir uns als Spieler von Werder Bremen und des Hamburger SV gegenüber. Aus dieser kollegialen Rivalität ist eine echte Freundschaft gewachsen.
Höflicher Rowdy
Im Laufe der Jahre hatten wir eine Vielzahl von lustigen Erlebnissen. Ganz besonders in Erinnerung geblieben sind natürlich unsere unzähligen sportlichen Aufeinandertreffen: ich in der Mannschaft von Werder Bremen, er im Trikot des Hamburger SV.
Wir wussten ja alle, dass Uwe ein besonders guter Kopfballspieler war. Er war nicht einfach zu packen. Uwe konnte nämlich auch ein Rowdy sein, der sich auf dem Platz gewehrt hat. Es war ja nicht so, dass er im Wettkampf nur ein höflicher Gegenspieler war. Er ging natürlich dort hin, wo es weh tat.
Ein kleines Beispiel von vielen: Nach einem Freistoß von Hamburgs Charly Dörfel kam es zwischen mir und Uwe zu einem Kopfball-Zweikampf in der Luft. Wir fielen zu Boden, er lag unter mir. Und da konnte ich mir die Äußerung nicht verkneifen: Schade, dass du keine Frau bist.
Aber nicht nur während unserer aktiven Zeit hatten Uwe Seeler und ich viel Spaß miteinander. Das trifft auch für die Zeit nach unserer Fußballer-Laufbahn zu. Der Beruf als Vertreter einer großen deutschen Sportartikelfirma brachte uns immer wieder zusammen. Auch in Oldenburg.
Ich erinnere mich noch heute gerne an eine Episode auf dem traditionsreichen Platz des VfB Oldenburg an der Donnerschweer Straße. Uwe und ich waren damals ja bekanntlich für Adidas tätig und betreuten in dieser Eigenschaft auch den alten Oberliga-Rivalen VfB.
Temperamentvoller Redner
Nach einem Vertrags-Abschluss mit dem damaligen Oldenburger Club-Verantwortlichen Fred Klemmer ließen wir uns von ihm einen Ball geben, zogen uns um, überredeten zwei Zuschauer mitzumachen und schon absolvierten wir ein kurzes Training auf dem VfB-Platz.
Ohnehin verbindet Uwe ein ganz besonderes Verhältnis zum VfB Oldenburg: Er schoss am 29. August 1954 beim Oberligaspiel des HSV im legendären Stadion am Rothenbaum gegen den VfB sein erstes Pflichtspieltor zum 2:0 für die Hamburger. Die Partie endete übrigens 3:0.
Unvergessen ist mir auch unser Auftritt im Jahr 2008 bei einer Talkrunde in Bad Zwischenahn. Wir steigerten uns derartig in einen Redefluss, dass die beiden Moderatoren Harry Wijnvoord und Lutz Ackermann sagten: Hier sind wir überflüssig. Die beiden sind alleine eine Show und sie verließen die Bühne.
Die Zuschauer hatten ihren Spaß und wunderten sich, wie temperamentvoll und witzig Uwe Seeler sein kann. Kurzum: Uwe ist ein Erlebnis!
Herzlichen Glückwunsch, Uwe, zum 75. Geburtstag.
