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Anwerbeabkommen „Talent sollte mehr gelten als Herkunft“

OLDENBURG - Als kleiner Junge kam Bülent Uzuner 1972 von der türkischen Schwarzmeerküste nach Deutschland – und verstand in der Schule kein Wort. Das versteht er heute als Glück. Denn: Er lernte in kürzester Zeit Deutsch – und Sprache ist für ihn „Basis für Integration und Erfolg.“ Bei ihm hat es mehr als funktioniert. 40 Jahre später steuert er die Oldenburger IT-Beratungsfirma BTC AG mit knapp 1700 Beschäftigten und 176 Millionen Euro Umsatz.

Reizthema Integration

„Klar, dass man da als Vorzeigemensch mit Migrationshintergrund hingestellt wird“, so Uzuner. Doch er möchte vor allem, dass persönliches Talent statt Herkunft die Hauptrolle beim Reizthema Integration spielt. „Wir haben die Tendenz zur Polarisierung: oben die ganz Erfolgreichen, unten die Hartz-IV-Empfänger“, kritisiert er. „Ich finde den Feuerwehrmann oder die Krankenschwester unter den Migranten eigentlich wichtiger. Es sind Leute, die mitten im Leben stehen und ihren Pflichten nachgehen. Davon gibt es Millionen.“ Uzuners Vater brach 1971 aus Hopa nahe der georgischen Grenze nach Deutschland auf – „aus reiner Neugier und Abenteuerlust“, wie der Sohn berichtet. Der Vater arbeitete als Schweißer auf einer Bremer Werft. „Wie so viele andere haben meine Eltern gedacht: Wir bleiben ein paar Jahre. Aber sie sind ganz geblieben und haben sich hier neu verwurzelt.“

Uzuner nutzte alle Chancen. Nach Hochschulreife und Ökonomiestudium in Bremen heuerte er bei den Consulting-Größen KPMG und CSC an. 1997 gründete der IT-Berater seine eigene Firma, die 2001 mit der zum EWE-Konzern gehörenden BTC zusammenging. Seitdem ist er Vorstandsvorsitzender. Die Frage, warum es in Deutschland kaum Migranten in vergleichbarer Position gibt, beantwortet er so: „Wie viele deutsche Gesellschafter gibt es, die einem Migranten zutrauen, ihre Firma zu führen?“

Rat für das Kanzleramt

Inzwischen berät Uzuner unter anderem das Bundeskanzleramt, war 2009 Wahlmann bei der Bundespräsidentenwahl und 2010 mit Bundespräsident Christian Wulff in der Türkei unterwegs. Der würdigte gerade die Arbeit des Vereins „Das erste Buch“. Vorsitzender ist Uzuner. Bald verschenkt der Verein wieder das „Erstbuch“ in einer Auflage von 185 000 Exemplaren an Erstklässler. Uzuner hält es für wichtig, dass Deutschland noch an „seiner Willkommenskultur“ arbeitet. Er selbst sieht sich mit „türkischem Herz und deutschen Verstand“. Was das bedeutet? Er versuche, seine Mitarbeiter, die in 26 Sprachen kommunizieren, auch emotional zu motivieren.

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