Oldenburg/Ganderkesee - Auch im Nordwesten ist der drohende Brexit zunehmend ein Thema bei Unternehmern. Von einer „gespannten Unruhe“ spricht Malte Smolna, Leiter des Exportleiterkreises der Oldenburgischen IHK und Geschäftsführer bei Cetex-Rheinfaser (Ganderkesee). Obwohl sein eigenes Unternehmen nur indirekt betroffen ist, weil es unter anderem an BMW Vorprodukte für die Mini-Produktion auf der Insel liefert, rechnet Smolna auch im eigenen Haus mit zusätzlichem Verwaltungsaufwand und dadurch entstehenden Mehrkosten.

Hinzu komme, dass derzeit niemand einschätzen könne, wie lange sich Lieferungen über den Kanal künftig durch Zollformalitäten verlängern werden, so Smolna. Als er den Brexit unlängst gemeinsam mit einem Kunden in Großbritannien gedanklich durchgespielt hat, war das Ergebnis, dass zur Produktionssicherung auf beiden Seiten die Lagerkapazitäten ausgebaut werden müssen.

Und Smolna ist mit diesem Problem nicht allein. Laut IHK-Geschäftsführer Felix Jahn gibt es im Oldenburger Land etwa 150 im Handelsregister eingetragene Unternehmen, die regelmäßige Geschäftsbeziehungen mit Großbritannien unterhalten.

„Unseren Informationen nach hat ein Großteil der Unternehmen aus unserer Region mit Geschäftsbeziehungen zu Großbritannien die Szenarien für einen geordneten und ungeordneten Brexit schon für ihre Geschäftsprozesse abgeprüft“, so Jahn. Allerdings müsse man auch sagen, dass es im Falle eines harten Brexits Auswirkungen geben wird, die von einzelnen Unternehmen kaum zu beeinflussen sind.

Auch Jahn nennt in diesem Zusammenhang erhöhte Zollformalitäten und dadurch bedingte Verzögerungen bei Ein- und Ausfuhren mit Durchschlag auf die gesamte Lieferkette. Unternehmen, die auf Just-in-time-Prozesse angewiesen sind, hätten zum Teil bereits mit zusätzlicher Materialbevorratung begonnen und ihre Logistikketten überprüft.

Trotzdem sei davon auszugehen, dass es bei einem No-Deal-Szenario, also einem EU-Austritt ohne vertraglich geregelte Handelsbeziehungen, zu einer Verknappung von Frachtraum kommen werde, da die britische Zollbehörde personell und technisch kaum vorbereitet ist.