Oldenburg - Betroffene oder bedrohte Frauen können sich in Oldenburg und umzu an verschiedene Stellen wenden: Neben der Polizei stehen die Beratungs- und Interventionsstelle bei häuslicher Gewalt (BISS), der Weiße Ring, die Stiftung Opferhilfe sowie das Autonome Frauenhaus den Betroffenen zur Seite.

Im Bereich der Polizeidirektion Oldenburg gibt es an jeder Inspektion einen Sachbearbeiter für häusliche Gewalt, sagt Pressesprecher Christopher Deeken: „Die Sachbearbeiter arbeiten immer eng mit den jeweiligen Beratungsstellen zusammen, in Oldenburg mit der BISS. Dort können sich Frauen auch melden, bevor etwas passiert.“

Dazu rät auch Anne-Marie Müller, Sozialberaterin beim Autonomen Frauenhaus in Oldenburg: „Niemand muss sich demütigen lassen. Wenn Frauen bei uns anrufen, fragen wir zunächst, ob sie von Gewalt bedroht sind oder bereits Gewalt erlitten haben. Wenn wir einen Platz frei haben, machen wir mit den Frauen einen Treffpunkt aus und gehen dann mit ihnen ins Frauenhaus.“

Zwölf Plätze für Frauen sowie zwölf weitere für Kinder stehen in Oldenburg zur Verfügung, meist seien diese auch belegt. „Gerade die Kapazitäten für Mütter mit Kindern sind oft voll. Die Betroffenen dürfen die Kinder immer erstmal mitnehmen“, betont Müller.

Um den Nachwuchs wird sich besonders gekümmert: „Wir haben einen Kinderbereich, wo sich zwei Erzieherinnen kümmern. Am Wichtigsten ist, dass die Kinder wieder Kinder sein und unbekümmert spielen können.“ Aus diesem Grund wird in Gegenwart der Kinder auch nicht über die erlittene Gewalt gesprochen, sagt Müller: „Diese Themen besprechen wir nur mit den Müttern, damit die Erinnerungen bei den Kindern nicht wieder hochkommen.“

Wer im Frauenhaus aufgenommen wird, erhält in erster Linie Schutz und Anonymität. „Wir wissen den Namen, denn wir müssen die Personen auch später beim Bürgerbüro unter dieser Adresse anmelden. Dabei erteilen wir jedoch eine Auskunftssperre“, erklärt Müller. Der Weiße Ring sei dann meist auch schon eingeschaltet und bietet beispielsweise Soforthilfe in Form von Bargeld und einen Gutschein für einen Rechtsanwalt.

Das Frauenhaus ist 24 Stunden unter t 0441/47981 erreichbar. Müller und ihre Kolleginnen arbeiten eng mit der Polizei zusammen: „Die Polizei ruft uns bei Bedarf auch direkt an und fragt, ob wir einen Platz frei haben.“ Zum Schluss hat Müller noch einen Rat für alle Betroffenen: „Ich kann gut verstehen, wenn sie sich nicht sofort an ein Frauenhaus wenden, weil es schon eine harte Entscheidung ist, sein Leben abzubrechen und neu anzufangen. Es ist jedoch immer möglich, zu einer Beratungsstelle zu gehen und sich über seine Rechte zu informieren.“

Nils Coordes
Nils Coordes Online-Redaktion