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nordwest-zeitung

Tierseuche Warum Fleisch im Laden kaum billiger werden dürfte

Hermann Gerdes

Oldenburg - Nur einen Tag nach dem ersten Nachweis der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in Deutschland ist der Schweinepreis hierzulande unter Druck geraten. Am Freitag traf sich die Vereinigung der Erzeugergemeinschaften (VEZG) in den Räumen der Landwirtschaftskammer Niedersachsen in Oldenburg und setzte den Schweinepreis – wie erwartet und von unserer Redaktion bereits zuvor vermeldet – auf 1,27 Euro/Kilo fest. Am Vortag wurden noch 1,47 Euro gezahlt. Gegenüber März bedeutet dies sogar einen Rückgang um 37 Prozent.

Ferkelpreis im Sinkflug

Die Preise für Ferkel notierten am Freitag gar nur noch bei 27 Euro/25 Kilo. Am Vortag waren es 38 Euro und im März gar 83 Euro. Diese fixierten Preise sollen bis 16. September, also nur fünf Tage, gelten.

Die Maxime für den niedrigen Preis war schnell klar. „Wir benötigen einen funktionierenden Markt, das heißt, der Abfluss der Schlachttiere muss weiterhin gewährleistet sein“, meinte Dr. Albert Hortmann-Scholten, Marktexperte bei der Kammer.

Das Preissignal gehe mit einem Appell an die Schlachthöfe einher, die zugesagten Mengen mit dem niedrigen Preis auch aufzunehmen. Die Schweinemäster rief er dazu auf, jetzt nur schlachtreife Schweine anzuliefern und sich ebenfalls an die mengenmäßigen Absprachen mit ihren Vermarktungspartnern zu halten. „Leichte Schweine müssen im Stall bleiben“, mahnte er.

Zu sinkenden Preisen an der Ladentheke dürften die Minderausgaben der Schlachtereien von 20 Euro pro Schwein indes kaum führen. Denn die Schlachtbetriebe haben deutliche Mindererlöse bei den Exporten, die zudem besonders lukrativ waren. Erstens konnten sie das „fünfte Viertel“ von den Füßchen bis zu den Schwänzen als Delikatesse nach China verkaufen und zweitens wurden die Export-Schweine in China kürzlich noch mit 4,55 Euro/Kilo Lebendgewicht abgerechnet.

Hinzu kommen erhöhte Ausgaben für die Entsorgung. Von jedem bisher exportierten Schwein landen jetzt bis zu 20 Kilo in Tierkörperbeseitigungsanlagen. Diese haben Kapazitätsprobleme und haben zudem für ihre Produkte wie Fette und Mehle keine Abnehmer mehr in Asien. Die Schlachtereien müssen höhere Gebühren zahlen.

Blick nach China

Das Hauptproblem ist, dass – auch nach Einschätzung des Bundeslandwirtschaftsministeriums – Schweinefleischexporte aus Deutschland besonders nach Asien durch den Ausbruch der Seuche weitgehend wegfallen dürften. Südkorea hatte bereits am Donnerstag die Einfuhr von Schweinefleisch aus Deutschland gestoppt. Das Hauptaugenmerk richtet sich auf China. Denn dorthin ging zuletzt ein Viertel aller deutschen Schweinefleischexporte.

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