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NWZonline.de Nachrichten Politik Hintergrund

Aufstieg und Fall des großen Kaisers

14.08.2019

Paris „Am Anfang war Napoleon“, so begann der Historiker Thomas Nipperdey seine „Deutsche Geschichte“ des 19. Jahrhunderts. Der Franzosen-Kaiser habe entscheidende Grundlagen für das moderne Deutschland gelegt. Für Frankreich gilt das noch viel mehr: Am 15. August feiern die Franzosen den 250. Geburtstag des Korsen.

Sein Leben gleicht einem antiken Drama: ein kleiner Artillerieoffizier aus dem unruhigen Korsika, der sich innerhalb weniger Jahre mit großem Ehrgeiz zum Herrscher Frankreichs und Herrn über Europa aufschwingt, um dann ebenso rasch seine Macht zu verspielen und ins Nichts zu versinken.

Guter Stoff also für Historiker. Auch in Deutschland sind mehrere Biografien über den vermeintlich körperlich so kleinen Korsen erschienen. Die jüngste stammt aus der Feder des früheren Programmdirektors des Deutschlandfunks, Günter Müchler. Der Untertitel bringt auf den Punkt, in welcher Spannung die rasante Karriere des Napoleon Bonaparte stand. „Revolutionär auf dem Kaiserthron“ nennt ihn Müchler. Und beschreibt den Korsen als „Gestalter und Getriebenen“.

Innenpolitisch musste Napoleon einen schwierigen Balanceakt vollführen: einerseits die Errungenschaften der Französischen Revolution gegen linke Kräfte und Monarchisten verteidigen und zugleich diejenigen integrieren, die Verlierer der Revolution waren. Die revolutionäre, antikirchliche Linke beobachtete misstrauisch, dass er auf Kirche und Adel zuging, um Frankreich zu einen. Die konservative Rechte, die Anhänger der Monarchie und die ausländischen Herrscher warteten nur auf sein Scheitern, um Vergeltung zu üben.

Als Napoleon 1799 die Macht ergreift, scheint es für Frankreich nur zwei Alternativen zu geben: Entweder wird das Land von den europäischen Monarchien und den Mächten des Ancien Regime überrannt – oder es versinkt im Bürgerkrieg. Für Napoleon erweisen sich Kaiserkrönung und Diktatur als einziger Ausweg aus diesem Dilemma.

Mit Blick auf Napoleons Eroberungszüge durch ganz Europa wendet sich Biograf Müchler gegen die Interpretation, der Kaiser sei von seiner Maßlosigkeit getrieben worden: „Er war weder ein Kriegstreiber noch ein Landräuber. Sein Riesenreich ist das Produkt von Gelegenheiten, die er konsequent nutzt.“ In nur zwölf Jahren krempelt der kleine Korse ganz Europa um.

Auch hier ist Napoleon ein Getriebener: Weil er von den europäischen Monarchen und den französischen Eliten nicht als ebenbürtig anerkannt wird, ist er gezwungen, seine Überlegenheit ständig unter Beweis zu stellen: Seine Herrschaft bricht zusammen, als er nicht mehr siegt. Moskau, Leipzig und Waterloo stehen für das Ende seiner Herrschaft. Am Ende steht der einsame Tod in der Verbannung auf Sankt Helena. Napoleon stirbt am 5. Mai 1821 – wie schon sein Vater an Magenkrebs.

Erst spät versöhnte sich Frankreich mit ihm. 1840 wurden die sterblichen Überreste von Sankt Helena geholt und im Invalidendom in Paris beigesetzt.

Grafik als PDF.

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