PARIS - Im Tandem mit dem Weltraumteleskop „Herschel“ startet am 14. Mai auch der europäische Satellit „Planck“ ins Weltall. Er soll das Echo des Urknalls so genau vermessen wie noch nie zuvor.
Dieses Nachglimmen des Urknalls erfüllt den gesamten Kosmos und stammt aus der Ära, als das heiße, junge Universum erstmals durchsichtig wurde. Deshalb wird diese allgegenwärtige Mikrowellenstrahlung auch das älteste Licht der Welt genannt.
Es entstand rund 380 000 Jahre nach dem Urknall – ein Wimpernschlag verglichen mit dem heutigen Weltalter von 13,7 Milliarden Jahren. Von dem ehemals glutheißen Feuerball hat sich der Mikrowellenhintergrund bis heute auf frostige minus 270,45 Grad Celsius abgekühlt. Die Wellenlänge dieser Strahlung liegt heute im Mikrowellenbereich, daher der Name Mikrowellenhintergrund.
Die kosmische Hintergrundstrahlung kommt bemerkenswert gleichmäßig aus allen Richtungen. Die genaue Vermessung hat inzwischen sehr winzige Schwankungen im Urknall-Echo ergeben. Diese Fluktuationen, die zuerst der NASA-Satellit „COBE“ zu Beginn der 1990er Jahre großräumig vermessen hat, repräsentieren die Saat der ersten Galaxienhaufen im Universum.
Der 2001 gestartete Satellit „WMAP“ lieferte die erste detaillierte Himmelskarte des Urknall-Echos und damit auch eine Art Rezept für das Weltall. Unser Kosmos ist demnach 13,7 Milliarden Jahre alt und sehr viel merkwürdiger als manche Forscher bisher angenommen haben: Er besteht lediglich zu etwa vier Prozent aus gewöhnlicher Materie, die Sterne, Planeten, Bäume und Menschen bildet. 23 Prozent trägt eine rätselhafte dunkle Materie bei, die nicht sichtbar ist, sich aber durch ihre Schwerkraft verrät. Die Forscher vermuten, dass es sich dabei um bislang unentdeckte Elementarteilchen handeln könnte. Den weitaus größten Anteil hat mit 73 Prozent aber eine mysteriöse „dunkle Energie“, die das Universum auseinandertreibt.
Mit „Planck“ wollen die Astronomen diesen Rätseln tiefer auf den Grund gehen. Der Satellit wird wie „WMAP“ und „COBE“ den gesamten Himmel kartieren und in der auf 15 Monate ausgelegten Mission die bislang genaueste Karte des Urknall-Echos liefern. Die Kosmologen erwarten von dem rund 600 Millionen Euro teuren Projekt Antworten auf fundamentale Fragen etwa nach der Natur und genauen Menge der dunklen Materie und der dunklen Energie sowie Erkenntnisse über die Entwicklung des Universums.
Nach der gegenwärtigen Vorstellung soll das Weltall kurz nach dem Urknall durch eine kurze Phase rasanter Expansion gegangen sein. Mit „Planck“ wollen die Forscher unter anderem die Theorie dieser sogenannten Inflation testen. Sie hoffen, dass sie Spuren davon im Mikrowellen-Hintergrund aufspüren können.
Wie „Herschel“ wird „Planck“ in rund 1,5 Millionen Kilometern Entfernung von der Erde stationiert, um Störeinflüsse möglichst klein zu halten. Eine direkte Zusammenarbeit zwischen den beiden europäischen Missionen ergibt sich nicht, manche Beobachtungsaspekte könnten sich jedoch ergänzen. Namensgeber der Mission ist der deutsche Physiker und Nobelpreisträger Max Planck (1858-1947), der die Quantenphysik begründet und als erster eine allgemeingültige Strahlungsformel gefunden hat.
Informationen unter www.esa.int/planck
