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NWZonline.de Nachrichten Politik Hintergrund

BERLIN: Pflaster treten und Klinken putzen

20.03.2006

BERLIN Der Hannoveraner führt einen zerstrittenen CDU-Landesverband in die Wahl. Doch inzwischen sind alle bereit, sich um ihn zu scharen.

Von Olaf Reichert,

Redaktion Berlin BERLIN - Der 17. September 2006 könnte für Friedbert Pflüger, Parlamentarischer Staatssekretär im Verteidigungsministerium, zum wichtigsten Datum seiner Politikerkarriere werden. An diesem Tag wird in Berlin ein neues Abgeordnetenhaus gewählt und, er ist der Spitzenkandidat der CDU.

Seit seiner Nominierung am 23. Januar probt der Bundestagsabgeordnete aus Hannover seine neue Rolle als Berliner. Und das heißt, Pflaster treten, Klinken putzen und – vor allem – die Verbundenheit zur Hauptstadt demonstrieren. Denn als ausgesprochener Berlin-Freund war der Außenpolitik-Experte vor seinem Engagement an der Spree nicht bekannt. Im Gegenteil: Bei der Debatte über den Umzug des Bundestages von Bonn nach Berlin votierte er in den 90er-Jahren für die Stadt am Rhein.

Das ist lange her. „Ich bin jetzt ein Berliner“, rief er Ende Januar den Spandauer Christdemokraten auf ihrem Kreisparteitag zu. Die hörten es mit Entzücken. Nach dem Verlust der Regierungsverantwortung im Juni 2001 und dem Fiasko bei der folgenden Abgeordnetenhauswahl im Oktober des selben Jahres, leckt die Hauptstadt-CDU immer noch ihre Wunden. Damals stürzte die CDU mit Spitzenkandidat Frank Steffel auf 23,7 Prozent ab. Vier Jahre später sorgte die verunglückte Suche nach einem neuen Herausforderer des SPD-Bürgermeisters Klaus Wowereit für weiteres Chaos.

Plötzlich tauchte Pflüger auf. Wurde er gerufen, brachte er sich selbst ins Spiel? Der selbstbewusste Hannoveraner kam dem zersplitterten Landesverband jedenfalls gerade recht. „Er will nach seiner bisherigen politischen Laufbahn jetzt Erster werden. Das bekommt der Partei ganz gut“, resümiert Ex-Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU) die ersten Wochen Pflüger-Kandidatur. Der Niedersachse sei offen empfangen worden, „nicht unbedingt von den Funktionären, von der Parteibasis umso mehr“. Nun seien alle bereit, sich um ihn zu scharen. Es sei sogar „ganz vernünftig“, wenn man Pflüger noch vor der Wahl zum Landeschef küren würde, so Diepgen.

Pflüger ist fleißig. Mit dem Tag seiner Nominierung begann für ihn der Wahlkampf. Seither wurde und wurden von ihm Streikende besucht, Unterschriften gegen die Benennung einer Straße nach Rudi Dutschke gesammelt, die Ku’damm-Bühnen gerettet, Hertha BSC beigetreten und Bahnchef Mehdorn wegen der Abtakelung des Bahnhofs Zoo zur Regionalstation ins Gebet genommen. Pflüger will sich kümmern, ist inzwischen so viel in Sachen Wahl unterwegs, dass Kritik aufkommt. Von Pflüger erwarte er, dass er auch im Vorfeld der Wahlen im September „seinen Pflichten als Parlamentarischer Staatssekretär in vollem Umfang nachkommt“, mahnte etwa Karl-Heinz Däke, Präsident des Steuerzahlerbundes.

Doch der 51-Jährige muss sich tummeln, will er im September eine Siegchance haben. Das bürgerliche Lager ist in der Hauptstadt nur für 35 Prozent der Stimmen gut, mehr nicht. In dieser Konstellation macht Pflüger Offerten an die Grünen. „Es ist richtig die Koalitionsoption CDU/FDP plus andere offen zu halten", meint Diepgen. Aber ob es die Grünen sein müssen? Für den Ex-Bürgermeister ist das ein „Tanz auf dem Seil“. Die Umworbenen indes sind ob der schönen Augen, die Pflüger ihnen macht, verwirrt. „Dazu können wir noch nichts sagen, wir haben noch keine Meinung“, heißt es zu einer Jamaika-Koalition.

Und so muss Pflüger weiter durch die Stadt ziehen und Punkte sammeln. Ende Februar lag Amtsinhaber Wowereit in der Beliebtheit noch mehr als 40 Prozentpunkte vor ihm (62 zu 18 Prozent). Da bleibt noch viel zu tun.

Aufstieg unter Richard von Weizsäcker

Friedbert Pflüger, geboren am 6. März 1955 in Hannover, ist seit November 2005 Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium. Der CDU-Politiker ist seit 1990 Mitglied des Deutschen Bundestages.

Seine politische Karriere begann im beim Ring christlich-demokratischer Studenten. Nach seinem Examen wurde der Volkswirtschaftler 1981 Mitarbeiter des damaligen Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Richard von Weizsäcker. 1984 folgte er Weizsäcker ins Bundespräsidialamt und diente ihm bis 1989 als Pressesprecher.

In der Bundestagsfraktion von CDU und CSU bekleidete Pflüger das Amt des abrüstungspolitischen Sprechers (1994-1998) sowie des außenpolitischen Sprechers (2002-2005). Seit 1998 ist Pflüger stellvertretender Vorsitzender der Niedersachsen-CDU.

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