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NWZonline.de Nachrichten Politik Hintergrund

70. Gründungstag: Pompöse Geburtstagsfeier in Pjöngjang

10.09.2018

Pjöngjang /Peking Nordkorea hat das 70. Jubiläum der Staatsgründung mit einer großen Militärparade, aber ohne die Drohgebärden der vergangenen Jahre gefeiert. Machthaber Kim Jong Un nahm die Parade von einem Balkon auf dem Kim-Il-Sung-Platz in Pjöngjang ab, ohne jedoch eine Rede zu halten.

Einladung für Xi

Eine Einladung zu den Feierlichkeiten war auch an Chinas Präsident Xi Jinping gegangen. Doch Xi schickte stattdessen Politbüromitglied Li Zhanshu nach Nordkorea. Beobachter werten dies als Zeichen dafür, wie es zwischen Pjöngjang und seinem mächtigsten Verbündeten steht.

Der Trump-Faktor

US-Präsident Donald Trump wirft China vor, es halte Nordkorea dazu an, die atomare Abrüstung zu verzögern. Dies sei ein Druckmittel gegen die USA im Handelsstreit, in dem beide Seiten jeweils Produkte im Wert von 50 Milliarden Dollar (43 Milliarden Euro) mit Zöllen belegt haben.

China weist das als Spiel mit dem Schwarzen Peter zurück. Zugleich hat das Land sich aber bereits in Teilen von seiner Zusammenarbeit mit den USA in Sachen Nordkorea distanziert. Nach den Atom- und Raketentests des Nordens im vergangenen Jahr hatte Peking zwar die harten UN-Sanktionen gegen das Land unterstützt und seinen Handel mit Nordkorea zurückgefahren. Inzwischen aber hat China den Druck auf seinen Nachbarn leicht zurückgenommen.

CHINAS ZIELE

Nach dem Beginn des Korea-Kriegs 1950 hatte Mao Tse-tung Nordkorea chinesische Truppen zu Hilfe geschickt. Die daraus entstehende Beziehung wurde einst als „so nah wie Lippen und Zähne“ beschrieben. Doch seit der damalige chinesische Präsident Hu Jintao im Jahr 2005 Kims Vater Kim Jong Il in Pjöngjang traf, ist kein chinesischer Staatschef mehr in Nordkorea gewesen. Das Treffen damals fiel in eine Zeit, in der Peking darauf drängte, dass Nordkorea seine Wirtschaft reformiert und an Sechs-Parteien-Gesprächen zur atomaren Abrüstung teilnimmt.

Als Kim Jong Un 2011 an die Macht gelangte, wurde der Austausch zwischen den beiden Ländern zurückgefahren. Kim wollte seine Unabhängigkeit geltend machen, während China angesichts der nordkoreanischen Atom- und Raketentests zunehmend ungeduldig wurde. Die Beziehungen kühlten vergangenes Jahr weiter ab, als China die UN-Sanktionen gegen Nordkorea unterstützte und Importe von Kohle und Eisenerz aussetzte. Umso bemerkenswerter waren die drei Besuche Kims in China in diesem Jahr – und ein Zeichen dafür, dass die Stimmung sich wieder besserte. Peking ist entschlossen sicherzustellen, dass seine Interessen in Nordkorea berücksichtigt werden, insbesondere der Wunsch, die Streitkräfte von USA und Südkorea von seinen Grenzen fernzuhalten.

XIS Gründe

Xis Entscheidung, sich vertreten zu lassen, zeigt nach Ansicht von Analysten, dass Peking weitere Schritte von Kim erwartet. „Ich denke, China ist besorgt, dass Nordkorea seinen eigenen Weg geht, neue Beziehungen zu Washington und Seoul knüpft und die chinesische Umlaufbahn verlässt“, sagt Nordkorea-Experte John Delury von der Yonsei-Universität in Seoul.

Michael Kovrig, Chefberater für Nordostasien bei der Nichtregierungsorganisation International Crisis Group, spricht von einem starken Signal und weist darauf hin, dass „Nordkorea eine Menge tun muss, um wieder in Chinas Gunst zu stehen“.

Xis Absage könnte aber auch praktische Gründe haben. Da China den UN-Wirtschaftssanktionen für den Norden zugestimmt hat, könnte das Land auf deutliche Fortschritte bei der Entnuklearisierung warten, bevor es politisches Kapital preisgibt, erklärt Guo Rui, Nordkorea-Experte an der Jilin-Universität im Nordosten Chinas.

DIE BEZIEHUNGEN

Als Kim in diesem Jahr nach Peking kam, wurde ihm all der Pomp und Aufwand zuteil, den auch schon sein Vater und sein Großvater dort genossen hatten. Bei seinem Besuch im Hafen von Dalian sah man die beiden Staatsführer am Strand spazieren und in grünen Gärten plaudern, alles offensichtlich mit dem Ziel, eine warme persönliche Beziehung zwischen beiden zu demonstrieren.

Laut Diplomaten hält sich Peking nach wie vor an die Vorgaben der UN-Sanktionen auf nordkoreanische Exporte von Kohle, Eisenerz, Meeresfrüchten und anderen Produkten. Bei einem Thema, das diese Strafen allerdings nicht betreffen, scheint China gegenüber Pjöngjang jedoch deutlich nachsichtiger zu sein: dem Tourismus. Besucher in Nordkorea berichten, dass die Zahl der chinesischen Touristen in den vergangenen Monaten dort nahezu explodiert sei.

Anscheinend wirbt China so mit den potenziellen Vorteilen, die Nordkorea zuteil werden, wenn es sich konform verhält. „China fährt die Strategie, Nordkorea daran zu hindern, zu weit abzudriften“, sagt Experte Delury. „Diese Beziehung ist voll von gegenseitigem Misstrauen, das sie aber in gewissen Grenzen halten.“

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