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NWZonline.de Nachrichten Politik Hintergrund

Pleite zeigt Niedergang des klassischen Versandhandels

19.07.2012
NWZonline.de NWZonline 2015-07-24T12:34:50Z 280 158

Insolvenz:
Pleite zeigt Niedergang des klassischen Versandhandels

HAMBURG Sie waren Unternehmensperlen des deutschen Wirtschaftswunders: Quelle, Neckermann und Otto machten nach dem Krieg den neuen Wohlstand für Millionen Bürger erst fühlbar: Kleider, Kaffeemaschinen, Kinderspielzeug – die sogenannten Universalversender lieferten bis in die letzte Ecke der Bundesrepublik.

Nach der Insolvenz von Quelle und am Mittwoch Neckermann hält nur noch der Otto-Versand der Internet-Konkurrenz von Amazon oder Zalando stand – wenn auch mit Mühe. Als erstes traf es schon vor drei Jahren das stolze Unternehmen Quelle aus Fürth: Mehrere tausend Mitarbeiter verloren ihren Job, als Quelle Ende 2009 nach langem Siechtum in die Insolvenz ging. Viel zu spät hatten die Manager erkannt, dass ohne das Internet im Versandhandel nichts mehr ging: Quelle hatte vor allem ältere Kunden und war stark im Geschäft mit Küchengeräten (Privileg). Deshalb spürten die Franken erst später als die Konkurrenz den Angriff aus dem Computernetz.

Dagegen war der Chef des Haupt-Herausforderers Otto-Versand, Michael Otto, schon vor Jahren durch die Geheimlabore im Silicon Valley getingelt und hatte sich die Trends der Zukunft zeigen lassen – und investierte daraufhin Millionen in die Internettechnik. Otto hatte traditionell seine Stärke bei Mode – was jüngere Kunden mit Interneterfahrung anlockte als Quelle.

Neckermann siechte ebenfalls seit Jahren, erlebte aber 2010 nach der Quelle-Pleite einen Zwischenboom. Das Unternehmen kam aber nie wieder richtig auf die Beine.

Was Quelle und Neckermann zu spät merkten: Das Internet hatte die Spielregeln im Versandhandel völlig neu festgelegt. Vor mehr als zehn Jahren tauchte mit Amazon eine Macht auf, die alles auf den Kopf stellte, was vorher galt. Zunächst ignorierten die deutschen Distanzhändler die neue Konkurrenz, die ja zunächst nur Bücher, dann auch CDs und DVDs anbot.

Doch ehe die Versand-Fürsten in Hamburg, Frankfurt und Fürth sich versahen, gab es bei Amazon auch Mode, Möbel und mehr. Der Trick des von Jeff Bezos gegründeten neuen Unternehmens: Amazon nahm einfach die Angebote anderer Händler in sein Angebot auf und wirkt nur noch als Vermittler – gegen Provision. Dagegen unterhielten die deutschen Versender gigantische Lagerhäuser, in denen viel Kapital gebunden war, das für Investitionen fehlte.

Neben Amazon drängten Tausende andere Anbieter ins Internet. Plötzlich konnte jeder Händler sich direkt an Millionen Kunden wenden, die bisherigen Kunden der Universalversender konnten in Sekunden Preise vergleichen. Und die waren bei Otto, Quelle und Neckermann eben nicht immer niedrig.

Das stellte jüngst auch der letzte Überlebende fest, der Otto-Versand. „Wir werden Preise gezielt senken“, sagte Vorstandsvorsitzender Hans-Otto Schrader vor wenigen Wochen. Vor allem der Newcomer Zalando setzt den Hamburgern zurzeit zu. Zalando steht im Verdacht, mehr auf schnelles Umsatzwachstum denn auf nachhaltige Gewinne zu setzen.

Der Otto-Versand hatte im Heimatmarkt 2011/2012 (bis 29. Februar) mit rund 2,1 Milliarden Euro Umsatz kein Wachstum mehr erreicht. Der gesamte deutsche Versandhandel legte dagegen um mehr als zwölf Prozent zu. Ein Jahr früher hatte Otto noch mit einem 17-Prozent-Zuwachs von der Pleite des Konkurrenten Quelle profitiert.