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NWZonline.de Nachrichten Politik Hintergrund

Angst um regionale Spezialitäten

16.01.2015

Berlin Grün und sauer: Gurken aus dem Spreewald verkaufen sich bundesweit. Doch bei der diesjährigen Grünen Woche ist die Spezialität zum Symbol für die Sorgen Vieler in der Ernährungsbranche geworden. „Wir wollen, dass unsere regionale Produktion wie die Spreewaldgurke weiterhin Bestandteil des Marktes ist“, fordert Bauernpräsident Joachim Rukwied und greift die Entrüstung auf, die das geplante Freihandelsabkommen mit den USA auslöste. Ob Schwarzwaldschinken, Nürnberger Bratwurst oder Spreewaldgurke – an ihnen hängt mehr als die Frage, ob regionale Spezialitäten Europas unter die Räder kommen, wenn Zollschranken fallen.

„Eine weitere Globalisierung der Land- und Ernährungswirtschaft ist aus Sicht der Verbraucher nicht akzeptabel“, entrüstet sich der Naturschutzbund-Chef Olaf Tschimpke. Bauernpräsident Rukwied beschwört den bäuerlichen Familienbetrieb.

Ein Bauer ernährt nach Verbandsangaben heute rechnerisch 144 Menschen – mehr als dreimal so viele wie 1980. Doch kleine Familienbetriebe verschwinden, mehr als 5000 Betriebe sind nun Agrarunternehmen mit durchschnittlich mehr als 500 Hektar.

Eine Lettin präsentiert kandierte Früchte BILD: dpa

Letten suchen neue Absatzmärkte in Europa

Lettland blickt angesichts des russischen Importstopps für viele EU-Lebensmittel erwartungsvoll auf die Grüne Woche in Berlin. Das diesjährige Partnerland will auf der weltgrößten Agrarmesse nach neuen Abnehmern suchen. „Wir hoffen, auf der Messe neue Kontakte zu knüpfen und werden uns mit vielen Delegationen aus anderen Ländern treffen, um neue Märkte für lettische Erzeugnisse zu erschließen“, sagt Landwirtschaftsminister Janis Duklavs vorab.

Die Agrarbranche spielt in Lettland eine wichtige Rolle. Traditionell unterhält das baltische Land enge Handelsbeziehungen zu Russland. 2013 gingen nach Angaben von Eurostat fast 10 Prozent aller Nahrungsmittelexporte ins Nachbarland.

Seit Moskau als Reaktion auf die EU-Sanktionen wegen der Ukraine-Krise Lebensmittelimporte beschränkt hat, ist vielen lettischen Erzeugern ein wichtiger Markt versperrt. „Wir haben größere Probleme als viele andere Mitgliedsstaaten der EU“, sagt Duklavs. Besonders betroffen sei die Milchwirtschaft.

Die Grüne Woche soll deshalb die Akzeptanz der lettischen Produkte in Deutschland und auf anderen europäischen Märkten testen. „Wir werden unser Land präsentieren – nicht nur Landwirtschaft und Ernährung“, betont Duklavs.

Neustart gefordert

Sollte unter dem Kürzel TTIP (Transatlantic Trade and Investment Partnership) die größte Freihandelszone der Welt entstehen, konkurrieren sie mit ähnlich großen Betrieben in den USA. „Wir sehen die bäuerliche Landwirtschaft gefährdet“, warnt der Vorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Hubert Weiger. Gegen billiges Hormonfleisch aus Übersee sei deutsches Fleisch chancenlos. Weiger fordert einen Neustart der Verhandlungen.

„Wir sind eine exportorientierte Branche und brauchen ein solches Abkommen“, widerspricht Christoph Minhoff, Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie. Sein Problem: Der heimische Markt stagniert, Wachstum bringt nur der Export. Die Ernährungsbranche verweist auf eine Unternehmerumfrage, nach der 2014 knapp jeder zweite hoffte, künftig mehr in die USA zu verkaufen.

Kritik an Regierungen

Ob das gelingt, ist unklar. Der auf der Messe präsentierte „Kritische Agrarbericht“ wirft den Regierungen vor, dass sie unter Ausschluss der Öffentlichkeit verhandelten, Lobbyisten aber in großer Zahl zu Wort kämen. 113 Treffen mit Vertretern etwa von Lebensmittelkonzernen und Saatgutherstellern wurden demnach gezählt.

Wie die Landwirtschaft aussehen soll, wird auch auf den Straßen Berlins diskutiert. Dort protestieren regelmäßig zur Grünen Woche 10 000 und mehr Bauern, Umwelt- und Naturschützer bei der „Wir haben es satt“-Demonstration gegen eine Industrialisierung der Landwirtschaft. Dieses Jahr jedoch gibt es erstmals eine Gegenkundgebung, angemeldet von Landwirten, die sich diese Kritik nicht mehr bieten lassen wollen. Ihr Motto: „Wir machen Euch satt.“

Auf einen Blick

Die 80. Grüne Woche zählt zu den größten seit Gründung der Agrarmesse im Jahr 1926.


vom 16. bis 25. Januar auf dem Messegelände Berlin, Hallen 1 – 26; geöffnet von 10 bis 18 Uhr, am 17., 23. und 24. bis 20 Uhr


 Tageskarte 14 Euro (ermäßigt 9 Euro), Sonntagsticket 10 Euro, Dauerkarte 42 Euro


rund 400 000 Besucher, darunter 100 000 Fachbesucher


1658 Aussteller aus 68 Ländern (2014: 1650 Aussteller, 69 Länder)


300 Konferenzen, Tagungen und Seminare während der Messe


Hunderte Tiere – vom Alpaka bis zum Wasserbüffel


10 000 Beschäftigte auf dem Messegelände

Mehr Infos unter www.gruenewoche.de

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