Rheda-Wiedenbrück/Gütersloh - Wegen des Corona-Ausbruchs beim Schlachtereibetrieb Tönnies in Rheda-Wiedenbrück (NRW) mit mindestens 657 Infizierten wurde die Fleisch-Produktion in dem Betrieb in Westfalen vorübergehend eingestellt. Der Kreis Gütersloh schließt Schulen und Kitas bis zum Beginn der Sommerferien in NRW (29. Juni) und stellt gut 7000 Tönnies-Mitarbeiter unter Quarantäne.

Der Landrat des Kreises Gütersloh, Sven-Georg Adenauer (CDU), sagte am Mittwoch bei einer Pressekonferenz, er habe die Schließung verfügt. Er gehe davon aus, dass der Produktionsstopp zwischen zehn bis 14 Tagen dauern wird. Für den gesamten Kreis will Adenauer einen allgemeinen Lockdown verhindern, obwohl die wichtige Marke von 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern in sieben Tagen deutlich überschritten sei.

Adenauer sagte, die kreisweite Schließung von Schulen und Kitas sei ein „probates Mittel“, um die Ausweitung des Virus zu stoppen. Er wisse, dass Eltern „jetzt sauer sind“, da die Schule teilweise gerade erst wieder angefangen habe.

Zur Ursache des Corona-Ausbruchs sagten Vertreter des Unternehmens, dass Mitarbeiter im Heimaturlaub das Coronavirus eingeschleppt haben könnten. Viele der häufig aus Rumänien und Bulgarien stammenden Beschäftigten hätten die langen Wochenenden für einen Heimaturlaub genutzt, sagte Gereon Schulze Althoff, Leiter des Pandemie­stabs bei der Firma Tönnies. „Wenn ein oder zwei oder auch fünf eine Infektion mitbringen und die dann zum falschen Moment am falschen Platz sind und diese Infektion verbreiten, kann das dazu führen, dass man damit einen Herd ausgebildet hat“, sagte Schulze Althoff weiter.

Laut Landrat Adenauer wurden 1050 Tests gemacht, von denen bis zum Mittwochabend ein Großteil ausgewertet war. Laut Kreissprecher waren bisher 657 Befunde positiv, 326 fielen negativ aus. Die übrigen Ergebnisse lagen noch nicht vor. Der Test besage nicht, dass die knapp Betroffenen aktuell noch erkrankt und ansteckend seien, so die Verantwortlichen. Er schlage auch später noch an.

Man habe „intensiv“ daran gearbeitet, das Virus „aus dem Betrieb zu halten“, entschuldigte sich Tönnies-Sprecher Andre Vielstädte bei der Bevölkerung des Kreises. Laut dem Unternehmen ist noch unklar, ob es einen oder mehrere Infektionsherde gebe.